Kunschtfilm

Das Kongo Tribunal

Wahrheit und Gerechtigkeit – diese Parole steht über dem Kongo-Tribunal, das der Schweizer Künstler und Filmemacher Milo Rau 2015 in der Stadt Bukavu im Herzen Afrikas veranstaltet hat. Nach dem Vorbild berühmter Tribunale gegen den Vietnamkrieg geht es hier um die Verbrechen internationaler Rohstofffirmen, die im Zusammenspiel mit korrupten lokalen Behörden ein eigentlich reiches Land wie den Kongo zu einer nie versiegenden Quelle des Leids für die einfache Bevölkerung werden ließen.

Das Kongo Tribunal
Foto: Real Fiction

Rau zeigt in seinem Film sowohl das Tribunal im eigentlichen Sinn (2015 gab es auch eine weitere Runde in Berlin), und gibt darum herum Einblick in seine Recherche. Er fährt zu den Menschen, die von ihrem Land vertrieben wurde, holt Berichte von Massakern ein, spricht aber auch mit dem Gouverneur, der dann auch als Besucher zum Tribunal kommt.

Anders als in Abderrahmane Sissakos großem Film „Bamako“, in dem eine afrikanische Zivilgesellschaft der Weltbank den Prozess macht, ist es hier einmal mehr ein europäischer Intellektueller, der sich in einem Konflikt engagiert, an dem fast alle Menschen in Europa beteiligt sind, geht es doch vor allem um Rohstoffe für die modernen elektronischen Geräte, vor allem Handys. Rau sagt selbst an einer Stelle, dass das Kongo-Tribunal eine „fiktive, symbolische“ Angelegenheit ist, die nur so tut, als ginge es hier in einem juridischen Sinn um Gerechtigkeit. Es geht wohl eher darum, die Konsumenten in den reichen Ländern wachzurütteln.

Das Kongo Tribunal D/CH 2017, 100 Min., R: Milo Rau, Start: 16.11.

Das Kongo Tribunal

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