Kino

Das melancholische Mädchen

Was machen melancholische Mädchen so? „Sie verbringen viel Zeit an verschiedenen Orten, und dann ist der Film vorbei – einfach so.“ Mit stoischer Miene und gelangweilter Stimme spricht eine junge Frau, gekleidet in einen weißen Flokatimantel mit nichts drunter, diese Worte in den Raum. Das kann ja heiter werden, denkt man sich, und das wird es auch.

Foto: Edition Salzgeber

„Das melancholische Mädchen“ von Susanne Heinrich, Spielfilmdebüt und Abschlussfilm ihres Studiums an der dffb, ist eine kleine Sensation: ein theorielustiger Film ohne eigentliche Handlung, keineswegs verkopft, sondern kluges Kopfkino im besten Sinne des Wortes.
In 14 Episoden schickt die Regisseurin ihre Hauptdarstellerin durch farbenfrohe und kunstvoll gestaltete Kulissen. Ohne Unterlass lässt sie dabei druckreife Sätze ab, zu Themenfeldern wie Kapitalismuskritik, Selbstverwirklichungswahn und Identitätssuche. Den Großteil ihrer Zeit verbringt sie aber damit, ein Bett für die Nacht zu finden.

Marie Rathscheck schultert ihre Rolle als melancholisches Mädchen mit Bravour. Sie ist die perfekte Besetzung, kein Wort aus ihrem Mund wirkt peinlich. Ihre gespielte Teilnahmslosigkeit nervt nicht, sondern ist die Veredelung dieses artifiziellen Filmkunstprodukts, eines lakonischen Triumphs filmischer Freiheit über die oft so biederen Konventionen des deutschen Kinos. Andreas Döhler

D 2019, 77 Min., R: Susanne Heinrich, D: Marie Rathscheck, Nicolai Borger, Malte Bündgen, Start: 27.6.

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