Gegen die Monokultur

Das Restaurant Kochzimmer und der Hype um Beelitzer Spargel

Derzeit dreht sich in Beelitz alles um den Spargel. Nur das Restaurant Kochzimmer hält sich zurück. Dort sieht man den Hype mit Sorge

In Berlin warten sie wieder an jeder Straßenecke auf Kundschaft:  die Spargelbauern aus Beelitz. Fast 14.000 Tonnen des beliebten Gemüses produzieren die Landwirte in der Saison. Ungefähr zehn Mal so viel wie vor zwanzig Jahren.  Damit hat die Produktion die regionale Nachfrage um ein Vielfaches überholt.  Beelitzer Spargel muss zu einem internationalen Exportprodukt werden, um sich zu behaupten.

Auch die Vermarktung vor Ort wird aggressiver. Für Trubel sorgen derzeit viele Höfe in und um Beelitz, wo in Bussen angekarrte Gäste mit Tablett bewaffnet die Ausgabestellen ansteuern. Spargel serviert wie in einem Fast-Food-Restaurant.

 

Für Jörg Frankenhäuser vom Beelitzer Restaurant Kochzimmer hat das Spargelgeschäft überhandgenommen. Beelitzer Spargel ist für ihn zu einem Massenprodukt geworden, bei dem die Qualität auf der Strecke geblieben ist. „Wir waren im letzten Jahr sehr unzufrieden mit dem hiesigen Spargel“, sagt er. „Wir beziehen das Gemüse zwar noch aus der Umgebung, aber es war nicht leicht, jemanden zu finden, der unseren Ansprüchen genügt“, sagt er.

Das Restaurant Kochzimmer ist eine Besonderheit, nicht nur für Beelitz. Der Gault- Millau vergab 14 Punkte, Kritiker loben die leichte Landhausküche. Ein edles Res-taurant in einer Kleinstadt wie Beelitz zu eröffnen, ist ein Risiko. Neben Frankenhäuser kümmert sich Patrick Schwatke um die kulinarische Ausrichtung. Gelernt hat Schwatke bei Tim Raue im Ma. Erfahrungen, die Selbstbewusstsein gestatten.

Das Gemüse findet sich zwar auf der Speisekarte, aber nur als Beilage. „Wer Spargel satt wünscht, wird bei uns nicht glücklich“, sagt Frankenhäuser. Das Saisongeschäft überlassen sie anderen. „Wir wollen nachhaltig Gastronomie betreiben, ganzjährig“, sagt er. Gäste sollen wegen der ungewöhnlichen Küche anreisen, nicht wegen eines Produktes.

Dabei ist Frankenhäuser Beelitzer und kein Spargelfeind. Er fühlt sich dem Ort verbunden, hat aber die Sorge, dass die einseitige Ausrichtung zu Problemen führt, wie häufig bei Monokulturen. Spargel gibt es bei ihm daher nur noch, wenn er die Eltern besucht. Und im Kochzimmer als Beilage zum Kaninchen: mit Papaya und Zuckerschote.

Hinkommen: Mit dem Fahrrad nach Beelitz

Eine abwechslungsreiche Radtour führt von Potsdam auf dem Fernradweg R1 nach Beelitz-Heilstätten. Vom Hauptbahnhof geht es am Ufer des Templiner- und Schwielowsees entlang bis Ferch. Ab dann geht es durch den Wald nach Beelitz-Heilstätten.  Dort den R1 verlassen und straßenbegleitend nach Beelitz radeln (rund 30 km).

Übernachten: Hotel Stadt Beelitz

Das Kochzimmer ist in den Räumen des Hotels Stadt Beelitz untergebracht. Das privat geführte Haus liegt direkt in der his-torischen Altstadt, die zwar nicht sonderlich viele Attraktionen zu bieten hat, aber hübsch anzusehen ist,  seitdem eine Umgehungsstraße den Verkehr um das Zentrum herum leitet.  Im September 2010 übernahmen die jetzigen Eigentümer das Hotel und modernisierten es.  Doppelzimmer um die 80 Euro.

Berliner Str. 195
14547 Beelitz
Tel. 033204-47 70
www.hotel-stadt-beelitz.de

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