Kino

Das schönste Paar

Es ist die Hölle auf Erden, ein Moment der absoluten Hilflosigkeit und des Ausge­liefertseins. Das Kölner Lehrer-Paar ­Malte (Maximilian Brückner) und Liv (Lola-­Nominierung für Luise Heyer) verbringt seinen Urlaub auf der sonnigen Insel Mallorca, ­inklusive Sex am Strand. Doch ­eines Abends dringen überraschend drei ­junge, deutsche Männer in ihre Ferienwohnung ein: Liv wird von Sascha (Leonard Kunz), dem üblen Anführer des Trios, ­vergewaltigt, Malte wird zusammen­geschlagen und muss ­hilflos der Misshandlung seiner Freundin beiwohnen.

Das schönste Paar
Foto: Neue Visionen

Zwei Jahre später. Man sieht Liv und ­Malte an, wieviel Kraft und emotionalen Aufwand es gekostet hat, zu so etwas wie Alltag zurückzufinden, eine Therapie hat beiden geholfen. Doch ­eines Nachts meint Malte Sascha in einem Imbiss wiedererkannt zu haben. Er verfolgt den vermeintlichen Übeltäter und bekommt heraus, wo Sascha wohnt. Der scheint glücklich eine Beziehung mit der Barfrau Jenny (Jasna Fritzi Bauer) zu führen. Was tun? Kann ­Malte ihn nicht einfach anzeigen? Soll er selbst Rache nehmen? Malte hat seiner Liebsten bisher noch nichts erzählt, er will die ­gerade verheilten Wunden nicht wieder ­aufreißen. Und rationales Denken fällt ihm zunehmend schwer … 

Der Berliner Filmemacher Sven Taddicken hat uns schon sehr unterschiedliche Filmperlen kredenzt, erst mit seinem ­heute zu Unrecht fast vergessenen Langfilmdebüt, der Coming-of-Age-Komödie „Mein Bruder, der ­Vampir“ (2002, mit ­Alexander Scheer), später mit dem Drama ­„Emmas Glück“ (2006, mit Jürgen Vogel) oder der unterschätzten Störtebeker-­Piraten-Komödie „12 Meter ohne Kopf“ (2009, mit Matthias Schweighöfer). 

Nun jagt er seine Protagonisten durch eine beklemmende Tour de Force – ebenso wie den Zuschauer, denn der Identifika­tionsfaktor mit dem gebeutelten Paar ist bei dieser Geschichte ­immens hoch: Wir würde man sich selbst in so einer Situation verhalten? Ein erschütterndes Drama um Gerechtigkeit und Selbstjustiz. Und ­darüber, wie ­einem das Leben entgleiten kann und man zu vorher nie vorstellbaren Taten fähig ist – wie also das Opfer auch zum Täter werden kann. Martin Schwarz

D 2018, 95 Min., R: Sven Taddicken, D: Maximilian Brückner, Luise Heyer, Leonard Kunz, Jasna Fritzi Bauer, Start: 2.5.; 4.5., 20 Uhr, Hackesche Höfe: Sven Taddicken zu Gast

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