Kino

Das Wunder im Meer von Sargasso

Eigentlich wäre es landschaftlich ganz hübsch in dem westgriechischen Lagunenstädtchen Mesolongi am Golf von Patras. Geschichte nistet hier, der unerbittliche Freiheitskampf gegen die Osmanen, zum Mythos gewordene Keimzelle des griechischen Nationalismus. Doch die Landschaft vermüllt zusehends. In hässlichen Häusern wohnen geplagte Menschen, die in Nachtclubs die Sau rauslassen und tags brav in Fischfabriken malochen. Aale werden verarbeitet, unter anderem von Rita. Sie will nichts wie weg aus dieser stinkenden Enge. Nach Miami, weg vom Bruder, der sie immer übler drangsaliert. Der sadistische Drogenhändler und Schlagersänger weiß die Kleinstädter zu beeindrucken. Doch eines Tages baumelt er am Baum und ruft Elisabeth auf den Plan, Mesolongis Polizeichefin. Noch Eine, die sich wegwünscht. Nach Athen, wo ihre Karriere vor zehn Jahren jäh endete, da sie nicht mitspielen wollte bei politischen chauvinistischen Intrigen. Nun säuft sie, flucht herum und kann sich selbst nicht leiden.

Das Wunder im Meer von Sargasso

In „Das Wunder im Meer von Saragossa“ lässt Regisseur Syllas Tzoumerkas gebrochene Menschen aufeinander los. Verroht an ihren Kompromissen, fungieren Sexualität und Amoralität als Ventil. Jeder in diesem Film betrügt, lügt und schlägt um sich. Eine Brutalität, festgehalten in verstörend langen Einstellungen. Sie bestimmen Syllas Tzoumerkas Filmsprache ebenso wie viehisches Kopulieren, Vernichtung durch Worte und körperliche Gewalt. Harte Kost, dennoch mit Hoffnungsschimmern. Denn da sind Ritas Traumfragmente von liebevollen Menschen, surreale Szenen, biblisch gefärbt. Und die in Mesolongi geschlachteten Aale: Einmal im Leben haben zumindest sie es bis in die Sargassosee geschafft, jenem Gebiet östlich von Florida, um sich fortzupflanzen. Ein Gleichnis also für die Rückeroberung der Freiheit, der eigenen Existenz. Auch für Rita und Elisabeth.

To thávma tis thálassas ton Sargassón (OT), GR/D/NL/S 2019, 121 Min., R: Syllas Tzoumerkas, D: Angeliki Papoulia, Youla Boudali, Hristos Passalis, Start: 12.9.