Kino

Das Wunder von Marseille

Mit dem Versprechen, dass der achtjährige Fahim (Ahmed Assad) in Paris einen Schachgroßmeister treffen darf, macht sein Vater Nura (Mizanur Rahaman) seinem brettspieltalentierten Filius die gemeinsame Reise nach Frankreich noch über die widrigsten Etappen hinweg schmackhaft. Und trotz gefahrvoller Situationen glückt den beiden ihr strapaziöser Trip von Bangladesch ins ferne Europa. Dort angekommen plant Fahims Vater, sich zunächst um Arbeit, Wohnung und Asylbewilligung zu kümmern, bevor er die restliche Familie nachholt. Dass ihn sein Übersetzer bei der Behörde linkt, bekommt Nura nicht mit, da er kein Französisch spricht. Und so zieht sich die Begutachtung des Antrags hin, kann aber zumindest Fahim schon mal die Schachschule des grantelnden Polterers Sylvain (Gérard Depardieu) besuchen. Der Trainer erkennt nach anfänglichen Schwierigkeiten die Begabung des Jungen – und er fördert ihn, damit Fahim vielleicht sogar an einer französischen Meisterschaft teilnehmen darf. Doch dann droht Fahims Vater die Abschiebung.

Das Wunder von Marseille
Foto: Tobis Film

Die auf einer wahren Geschichte beruhende Sozialkritik-light-Dramödie punktet vor allem mit Schauspieler-Urgestein Depardieu, der als Sylvain zu Höchstform aufläuft. Neben dessen Schachtrainer-Kotzbrocken beeindruckt Regisseur Martin-Lavals Gespür fürs Besetzen der Kinderrollen mit einer Horde unterschiedlich begabter Schach-Youngster, die sich erst einmal zusammenraufen müssen. Die Regie verschränkt Komik und Tragödie, spart Pathos weitestgehend aus. Und doch mischt sich aus Sicht des Kinogängers ins wohlige Gefühl des vorhersehbaren Happyends Wehmut, wenn wir hören, dass Fahims Vater in Wirklichkeit zwar die Familie nach Frankreich holen konnte, man aber nun schon seit Jahren vergeblich auf die beantragte Einbürgerung wartet.

F 2019, 107 Min., R: Pierre Francois Martin-Laval, D: Assad Ahmed, Gérard Depardieu, Isabelle Nanty, Mizanur Rahaman. Start: 7.11.