Bowie in Berlin

Der Star, die Stadt, der Tod

Nur zwei Jahre lebte David Bowie in der damaligen Mauerstadt.  Und doch prägt die britische Pop-Ikone Berlin bis heute. Ein Nachruf

Mythos Bowie Als im Mai 2014 die große ­Bowie- Ausstellung im ­Martin-Gropius-Bau stattfand, widmete sich die ZITTY dem Mythos mit einer Titelgeschichte. Das Cover zeigte die Tochter eines Kollegen mit geschminkten Bowie-Blitz. Eine Trauerfeier für den Rock-Heroen findet am 15. Januar ab 12 Uhr im Meistersaal am Potsdamer Platz statt (ehemaliges Hansa Studio 2).
Mythos Bowie
Als im Mai 2014 die große ­Bowie-Ausstellung im ­Martin-Gropius-Bau stattfand, widmete sich die ZITTY dem Mythos mit einer Titelgeschichte. Das Cover zeigte die Tochter eines Kollegen mit geschminkten Bowie-Blitz. Eine Trauerfeier für den Rock-Heroen findet am 15. Januar ab 12 Uhr im Meistersaal am Potsdamer Platz statt (ehemaliges Hansa Studio 2).

Als David Bowie 1976 in West-Berlin ankam, hatte er bereits alles erreicht, genug jedenfalls für eine Karriere von Weltrang. Aus dem scheuen Rhythm-and-Blues-Fan David Robert Jones, der 1947 im rauen Londoner Arbeiterviertel Brixton zur Welt kam, schälte sich ein nie zuvor gesehenes, glamouröses Wesen, das in den späten Sechzigern und frühen Siebzigern die Pop-Revolution ein gutes Stück mit auf den Weg brachte. Ein immerzu sich neuerfindender Geist, der Mode, Kunst, Literatur und gesellschaftliche Entwicklungen aufsog wie ein Schwamm und zu eigenen Figuren, Klängen und Bildern formte. Vom kosmischen Ziggy Stardust bis zum mondänen Thin White Duke lag da ein Jahrzehnt aus Erfolg, Ektase und Erschöpfung hinter dem Sänger, Songwriter und Produzenten.

Gezeichnet vom Drogen- und Jetset-Leben landete er in der in der tristen Mauerstadt, die sich nur langsam vom Zweiten Weltkrieg erholte. Die Stationen sind gut bekannt und vielfach dokumentiert: die große Wohnung in der Hauptstraße 155 mit Iggy Pop als Nachbar, Schöneberger Szenelokale, seine Begeisterung für die Brücke-Künstler und Bertolt Brecht und allen voran die Aufnahmen zu der „Berlin-Trilogie“ in den Kreuzberger Hansa Studios. Die Platten „Low“, „Heroes“ und „Lodger“ sollten Berlin auch nach Bowies Weggang 1978 noch lange prägen. Jener kalte, dramatische Sound, zu dem ihn die deutsche Elektronik-Avantgarde um Kraftwerk, Neu! und Harmonia inspirierte.

Bowie, der internationale Superstar, verhalf West-Berlin damit zum Mythos. Ob „Christiane F.“, die Genialen Dilletanten, Wim Wenders oder Nick Cave, die düstere Coolness Berlins stand seitdem im Schatten des exzentrischen Engländers. Doch irgendwann lebten sich Stadt und Star auseinander. Die Mauer fiel und der Techno kam und am Schluss blieb nur noch ein flüchtiges Gefühl. Bis zu Bowies 2013er-Album „The Next Day“ und dem Song  „Where Are We Now“, in dem er melancholisch seiner Berlin-Zeit gedenkt. Heute wissen wir, dass sich da bereits sein Ende abzeichnete und er auf diese Weise wohl Abschied von Berlin nahm. Am 10. Januar starb David Bowie 69-jährig infolge eines Krebsleidens. Jetzt muss Berlin Abschied nehmen.