Doku

David Lynch – The Art Life

Die drei Regisseure des ambitionierten Biopics zeigen den US-amerikanischen Regisseur als versiertes Allround-Genie

David Lynch kann man sich nicht so ­richtig als ein glückliches Kind ­vorstellen. Und doch versichert er hier, dass er in ­einer ­geradezu perfekten ­Familie aufwuchs, mit einer liebevollen Mutter und einem ­fairen Vater. Doch da war etwas, wovon sie wohl nicht viel mitbekommen haben: David Lynch hatte Träume, „dunkle, ­fantastische Träume“. Und er hatte mehrere Leben: ­eines mit Freunden und Freundinnen, ­eines ­daheim, vor allem aber eines mit ­seiner Kunst.

Von diesem dritten Leben gibt es in diesem Porträtfilm einiges zu erfahren. Die drei Filme­macher Jon Nguyen, Rick Barnes und Olivia Neergaard-Holm haben Zugang zum Lynch-Archiv bekommen. Den größten Gefallen aber hat ihnen David Lynch getan, indem er sich in ein Tonstudio gesetzt und erzählt hat: das Porträt eines Künstlers als junger Mann, ­gesehen aus der ­Perspektive des reifen ­Alters. Seit „Inland Empire“ (2006) hat ­David Lynch keinen Spielfilm mehr gemacht, trotzdem kommt diese Doku zur richtigen Zeit, denn gerade ­sehen die Fans „Twin ­Peaks“. Die dritte Staffel ­lotet vermutlich noch die hintersten Winkel von Lynchs Träumen aus. Der Kinovisionär, der mit „Twin Peaks“ ab 1990 die stromlinienförmige ­Industrie des Fernsehens an der Nase herumgeführt hat, wird in „The Art Life“ nur gestreift, denn hier geht es vor ­allem um den Werdegang bis zum Langfilmdebüt „Eraserhead“ (1977).

David Lynch
Vielschichtig zu deuten: David Lynchs Zeichnung „two Friends“
Foto: NFP

David Lynch wird als Künstler gezeigt, der in einem Haus in L.A. kreativ sein kann. Dieses Finden eines „eigenen Platzes“ ist das Leitmotiv. Es hatte eine Weile gedauert, bis er zum Film gefunden hatte. Davor hatte er viele Jahre vor allem gemalt, auch im Studio von Bushnell Keeler, der zu einem wichtigen Mentor wurde.
In Philadelphia fand David Lynch schließlich die angemessene Umgebung (eine post­industrielle Gegend, die man sich nur in Schwarzweiß vorstellen mag) für den Übergang von der Malerei zu „moving paintings“. Doch bei aller intimen Anmutung ist es doch ein halb offiziöses Bild, das hier entsteht, eines, bei dem der Künstler David Lynch nicht offiziell Regie geführt hat, bei dem er aber doch offensichtlich die Zügel in der Hand hatte. So wollte er, dass er gesehen wird. 

USA 2016, 88 Min., R: Jon Nguyen, Rick Barnes, Olivia Neergaard-Holm

David Lynch – The Art Life

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