Haben und Brauchen

Debatte über Stadtplanung

Die Ausstellung „Based in Berlin“, von Klaus Wowereit vor der Presse erneut „Leistungsschau“ genannt, hat am 7. Juni begonnen (siehe S. 95). Bereits einen Tag nach der Eröffnung lud die Künstlerinitiative „Haben und Brauchen“ erneut zur Diskussion. An dem öffentlichen Treffen im Schöneberger Salon Populaire nahmen erstmals Stadtplaner und Architekten teil, unter ihnen Arno Brandlhuber sowie Mitarbeiter der Büros Team 11, raumlabor und der Zeitschrift „Arch+“. Gemeinsam diskutierten sie die Kultur- und Stadtentwicklungspolitik des Senats sowie verbindende oder trennende Kritik daran.

Der dritten Runde von „Haben und Brauchen“ gingen Gespräche zwischen fünf Vertretern der Initiative und Senatsmitarbeitern voraus. „Haben und Brauchen“ hatte im Januar einen offenen Brief an den Regierenden Bürgermeister geschickt, in dem Künstler, Kuratoren und Kritiker „Based in Berlin“ ein „einmaliges Ausstellungsspektakel“ nannten und einen „öffentlichen Dialog“ über Arbeitsbedingungen bildender Künstler forderten. Der Brief hat rund 2.500 Unterzeichner gefunden.
Einer Podiumsdiskussion von HAU und zitty zum Thema im März folgten drei Treffen zwischen „Haben und Brauchen“ und der Senatskulturverwaltung. „Wir waren uns erstaunlich schnell einig darüber, dass wir die Probleme längerfristig und gemeinsam angehen müssten“, sagt Mitinitiatorin Ellen Blumenstein, „nur über das Wie und Wann gibt es bislang keinen Konsens“. „Dennoch ist der Dialog tendenziell konstruktiv“, sagt Florian Wüst von „Haben und Brauchen“. Aktuell gehe es darum, einen Fahrplan zu einem Entwicklungsplan Bildende Kunst zu entwerfen – extern moderiert und gemeinsam mit unterschiedlichen Akteuren der Kunstszene. Termin und Resultate seien noch offen, bestätigt Torsten Wöhlert, Sprecher der Kulturverwaltung, der an den Treffen teilnimmt.
Im Salon Populaire wurde der aktuelle Stand kurz referiert. In der folgenden Diskussion zeichnete sich bald ab, dass die Anwesenden die Forderung nach einer sozialen Stadt teilen, in deren Zentrum  auch Künstler und ärmere Bürger leben können. So richtete sich die Kritik gegen die Mietpolitik und die Vergabepraxis des Liegenschaftsfonds. Als gelungenes Beispiel für nachhaltige Stadtentwicklung wurde das Atelierhaus Ex-Rotaprint in Wedding genannt, das unter seinem Dach Ateliers, Handwerksbetriebe und Bildungsstätten vereint. Architekten von Team 11 stellten zudem Modellrechnungen über die Rentabilität „behutsamer Vergabeverfahren“ vor.
In der meist sachlichen Debatte schwang auch Furcht mit, zu spät zu kommen. „Die Pläne für die letzten freien Flächen sind gemacht“, sagte ein Künstler. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Investoren wieder Geld haben zu bauen.“ Dennoch wollen die Anwesenden nun gemeinsame Vorschläge sammeln. Am 20. Juni setzt „Haben und Brauchen“ die Debatte mit dem Schwerpunkt Kunst im Projektraum General Public fort.     Claudia Wahjudi

Details. 20.6., 20 Uhr: „Haben und Brauchen#4“, General Public, Schönhauser Allee 167c, Prenzlauer Berg, U Senefelder Platz, www.salonpopulaire.de

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