Nach Brandanschlägen

Dem Anton-Schmaus-Haus droht die Schließung

Dem linken Neuköllner Jugendzentrum Anton-Schmaus-Haus droht die Schließung. Weil nach zwei Brandanschlägen von Rechten die Versicherung gekündigt hat

Im Anton-Schmaus-Haus wissen sie: Ein Zaun muss her. 2,60 Meter hoch, 190 Meter lang, mit Überkletterungsschutz. Kosten: rund 100.000 Euro. Gruppenleiterin Mirjam Blumenthal sagt: „Wird der Zaun nicht rechtzeitig fertig, müssen wir schließen.“ Ohne Zaun keine Versicherung und keine Zukunft.
Das Haus ist Eigentum der „Sozialistischen Jugend Deutschlands – Die Falken“. Neben politischer Bildung bekommen Kinder und Jugendliche hier das volle Programm: von der Hausaufgabenhilfe über Computerkurse bis zum Töpfern. Doch seit dem 27. Juni 2011 ist nichts mehr, wie es mal war. Rechtsradikale hatten das Haus in Britz angezündet, in der Nacht zum 9. November folgte der zweite Anschlag. Noch in den Nächten davor hatten Kinder dort übernachtet. Die Brände legten den Betrieb monatelang lahm, erst am 28. April 2012 feierten die Falken die Wiedereröffnung.
Der Versicherungsschutz endet wegen der Anschläge zum 1. Januar 2013. „Wir sind der Versicherung zu teuer. Sie haben uns eine Galgenfrist von zwölf Monaten eingeräumt“, sagt Blumenthal. Bis Ende des Jahres muss eine neue Versicherung gefunden werden, so verlangt es der Nutzungsvertrag mit dem Bezirksamt Neukölln.
Gleichzeitig sieht das Sicherheitskonzept der Kriminalpolizei den Bau eines Zauns vor. Spätestens Ende Oktober müsste mit den Arbeiten begonnen werden, sonst wird das „Bollwerk gegen Nazis“ nicht rechtzeitig fertig und das Haus geschlossen. Ein Zentimeter Zaun kostet fünf Euro. Auf der Internetseite www.bollwerk-gegen-nazis.de kann jeder ein Stück kaufen.