Berlin

Denk ich an Deutschland in der Nacht

ZITTY-Bewertung 6/6

Seit 2003 dokumentiert Romuald Karmakar in unregelmäßigen Abständen die deutsche Techno- und Electroszene. Mit minutenlangen, statischen Einstellungen, ent- statt beschleunigend, setzt er filmisch bewusst einen Kontrapunkt zu den treibenden Beats der Musik und ihrer euphorischen Feierkultur.

Auch diesmal ist Karmakar dieser Herangehensweise treu geblieben, unterstützt durch die hervorragende Kameraarbeit Frank Griebes. Der Film beginnt in der ­Totalen mit einem Stillleben aus Verstärkern, Keyboards und Schaltpulten, die ­Ricardo Villalobos liebevoll als „Kontrolleure“ bezeichnet. Der ­nüchterne Blick auf die Produktionsmittel von Menschen, deren Beruf und Berufung es ist, Musik zu machen, ist der perfekte Einstieg in die ­Arbeitswelt der Tech-House- und Electro-Produzenten, die Karmakar porträtiert. ­Neben Villalobos begleitet er Roman Flügel, Sonja Moonear, Ata und Move D bei der Entstehung ihrer Musik im heimischen Studio, beim Auflegen in Clubs und bei großen Festivals.

Ricardo Villalobos
Ricardo Villalobos
Foto: Arden Film GmbH

All das geschieht unaufgeregt und wird durch kluge Einlassungen und Erzählungen der Protagonisten abgerundet, die ­eloquent über sich und die ­komplexe Entwicklung der elektronischen Musikkultur zu berichten wissen. Geerdet im Heute ­gelingt Karmakar mit dem Film ein zeitloses Dokument über die DJ-Kultur des 21. Jahrhunderts. 

D 2017, 105 Min., R: Romuald Karmakar

https://www.zitty.de/event/dokumentarfilm/denk-ich-an-deutschland-in-der-nacht-2017/

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