Die bissigsten Haie im Becken

Der Aufsteiger Sascha Klupp

Er unterstützt Vereine und Stiftungen. Sein Job als Immobilienunternehmer: Für ihn ein Dienst an der Gesellschaft. Doch in seinen Häusern ist Klupp verrufen. Mit Sanierungsexzessen soll er Mietern das Wohnen zur Hölle machen

Ein Mann von Welt, glamourös und großzügig: So würde sich Sascha Klupp vermutlich selbst am liebsten sehen. Der Immobilienunternehmer ist nicht nur Gast auf dem Bundespresseball oder der Bambi-Verleihung, er gibt auch gern den Philanthropen, der die Kassen von Vereinen und Stiftungen aufbessert. Seine Firma, die Inter Group am Ku’damm, will „den eingeschlagenen Weg zum Wohle der in Berlin lebenden Menschen“ weitergehen. Die Spezialität des Unternehmens: Durchschnittswohnungen in Luxusappartements zu verwandeln, um sie mit hohen Renditen zu vermarkten. Für Klupp ein Dienst an der Gesellschaft. Er findet, Immobilienunternehmer hätten „eine gewisse Verantwortung, das Stadtbild zu wahren“.

Nervenaufreibende Baustellen

Ein Blick auf die Geschäftsmethoden stellt diesen Selbstanspruch in Frage. Kein anderer Immobilien-Geschäftsmann in Berlin ist so berüchtigt für seine rücksichtslosen Modernisierungen. Wer in einer Klupp-Immobilie wohnt, findet sich mit etwas Pech auf einer nervenaufreibendennden Groß-Baustelle wieder. Ein perfides Mittel, um Mieter zu vergraulen: eine Absicht nachweisen, ist schwer. Es liegt nahe, dass der Investor die Wohneinheiten leerfegen will.

Altehrwürdige Mietshäuser in Prenzlauer Berg und Mitte, die mit Klupp in Verbindung stehen, sind auf diese Weise zu Chaos-Immobilien geworden. Die Mieter berichten von Bauarbeitern, die nachts durch die Gebäude stiefeln; von Abrissarbeiten, die das halbe Haus erschüttern; von einem Wasserrohrbruch und eingeschlagenen Fensterscheiben. Cornelia Hentschel, eine Hochschullehrerin, die in einem der Gebäude lebt, spricht von „aufwändigen Sanierungen ohne Baugerüst“. Sie klingt dabei angespannt.

Die Inter Group teilt mit, die Immobilien seien „stark sanierungsbedürftig“ gewesen. Man hätte etwa Risiken wie „gefährlichen Schwammbefall und gesundheitsschädigende Trinkwasserrohre aus Blei“ beseitigt.

In einem Haus brannte eine Wohnungstür. Bis heute ist die Ursache ungeklärt. Eine andere Wohnung wurden zum Schauplatz nicht enden wollender Wohnungsbesichtigungen – ohne dass der Makler darauf Rücksicht genommen hätte, dass der Mieter gar nicht ausziehen wollte. Die Filmemacherin Katrin Rothe, selbst eine Leidtragende, hat in ihrer preisgekrönten Dokumentation „Betongold“ das Mobbing festgehalten.

Für Klupp und sein Firma war die Ellbogen-Taktik erfolgreich. Die Folgen kann man vor Ort besichtigen. In einem Objekt an der Gleimstraße seien nur zwei unerschütterliche Altmieter in ihren Wohnungen geblieben, berichtet Michail Nelken, Bezirksverordneter der Linkspartei in Pankow. Der Rest der Wohnungen sei verkauft worden. Auch in einer anderen Immobilie seien etliche Altmieter ausgezogen, hört man.

Die Schicksale der Mieter dürften nur Seitenstränge in Klupps Karriere sein. Mehr als 1.000 Wohneinheiten hat er bislang schon modernisieren lassen. Seine Inter Group richtet aus, man liege „oftmals mit sozialverträglichen Quadratmeterpreisen zwischen 5,00 Euro und 5,47 Euro netto kalt weit unter den Mietpreisen von Vergleichsobjekten“.

Das Unternehmen ist auch in der restlichen Republik expandiert. Vor Kurzem hat es 50 Millionen Euro in nordrhein-westfälische Gewerbe-Immobilien investiert. Die Geschäfte laufen offenbar gut.

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Illustration: Roland Brückner
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