Das erste Mal

Der Berliner Preis für Projekträume wird vergeben

Sie fremdeln noch: die Gewinner des neuen Berliner Preises für Projekträume und sein Überbringer, Kulturstaatssekretär André Schmitz. Doch eine ungewöhnliche Feier könnte eine richtig gute Beziehung stiften. Wir stellen drei der sieben Preisträger vor

Wird ein Preis vergeben, gibt es meist eine Gala mit Reden und reichlich Sekt. Doch in der Kunstwelt funktioniert vieles anders. Sieben Berliner Projekträume erhalten am 27. Februar den „Preis zur Auszeichnung künstlerischer Projekträume und -initiativen“ in Höhe von sieben mal 30.000 Euro. Mit ihm zeichnet das Land Berlin erstmals Kunstorte aus, die nichtkommerziell arbeiten und sich als Gegenpol zu Institu­tionen und Galerien verstehen. Zu den größten Kritikern der Ehrung zählen aus­­gerechnet die Preisträger. Die Feier richten sie lieber selbst aus – in einem Bus.

Sieben von geschätzten 150 Berliner ­Projekträumen: Bei der Ausschreibung im Sommer wurde der Vorwurf der „Leuchtturmförderung“ laut (www.zitty.de/­projektraume-in-berlin.html). „Die freie Szene hat keinen Preis gefordert, sondern Strukturförderung“, sagt Heimo Lattner vom Kollektiv General Public in Prenz­lauer Berg, das sich den Preis mit Art Labo­ratory, berlinerpool, Savvy Contemporary, Schinkel Pavillon, WestGermany und ­Organ K­ritischer Kunst (OKK) teilt. Wäre es da nicht sinnvoller gewesen, die Summe breiter zu verteilen? „Nein“, sagt Stéphane Bauer von der Jury. „Das Preisgeld muss sich in einem Rahmen bewegen, mit dem man arbeiten kann.“

Heimo Lattner stört sich auch an der Rolle von Kulturstaatssekretär André Schmitz, der den Preis vergibt. „Er war wohl noch nie in einem Projektraum, weiß nicht, was das ist, und brüstet sich jetzt damit, etwas für die Künstler zu tun.“ Tatsächlich heißt es auf Anfrage in der Senatskanzlei, Schmitz könne kein Interview zum Preis geben, da man sich in dieses Thema noch einarbeiten müsse. „Die politischen Entscheidungsträger haben Berührungsängste“, sagt Nina Korolewski vom „Netzwerk der Berliner Projekträume und -initiativen“.

Darum hat das Netzwerk nun eine alter­native Preisverleihung organisiert. Am 27. Februar wollen sie gemeinsam mit dem Staatssekretär, weiteren Politikern und Journalisten zu einer sechsstündigen Bus­tour aufbrechen, um alle Preisträger zu ­besuchen. Erste Station: das OKK in Wedding. „Wir haben uns im Netzwerk auf den Konsens geeinigt, dass der Preis ein erster Schritt ist“, sagt Pablo Hermann vom OKK. „Jetzt wird erst einmal ein Bewusstsein dafür geschaffen, dass es die Arbeit der Projekträume überhaupt gibt und sie symbolisch honoriert wird.“ So weit, das Geld  abzulehnen, wollte niemand gehen.

Der Preis soll nun jährlich vergeben werden. Bisher steht jedoch nur fest, dass er auch Ende 2013 verliehen wird. Danach ist wieder alles offen.

Der Preis

Die Teilnahmebedingungen: Projekträume, die sich bewerben, müssen seit mindestens zwei Jahren existieren und Raum für Vor­haben, Diskurse und Aktivitäten Dritter ­bieten. Sie dürfen keine institutionelle ­Förderung erhalten und nicht markt­orientiert arbeiten.
Zahl der Bewerber 2012: 93
Die Jury: Tatjana Fell (Künstlerin, Kuratorin), Katrin Bettina Müller (Redakteurin, Kunst­kritikerin), Stéphane Bauer (Leiter Kunstraum Kreuzberg/Bethanien)
Das Preisgeld: sieben mal 30.000 Euro 
Die Gewinner: Art Laboratory, berlinerpool, General Public, Savvy Contemporary, Schinkel Pavillon, Organ Kritischer Kunst, WestGermany