Kino

Der Boden unter den Füßen

Hildesheim oder Sidney – das sind die Karriere-Alternativen für Lola, eine taffe Unternehmensberaterin. Sie ist in Norddeutschland mit einem Projekt beschäftigt, da trifft es sich sehr ungünstig, dass die Halbschwester Conny in Wien einen Selbstmordversuch unternimmt. Lola ist geübt darin, viele Termine in ein Leben zu packen, aber die Herausforderungen mit einer paranoiden Schizophrenie vertragen sich schlecht mit einem Beruf, in dem die Leute einander an 48-ern messen: 48-Stunden-Schichten ohne Schlaf.

Foto: Juhani Zebra

Die österreichische Regisseurin Marie Kreutzer erzählt von einer Kollision: Zwei unvereinbare Leben prallen zusammen, und es ist erstaunlich, wie lange das bei Lola sogar noch halbwegs gut zu gehen scheint. Die Beziehung zu ihrer Vorgesetzten ist zwar ganz offensichtlich auch ein Machtspiel, aber der ganze Beruf lebt ja von dem Kick der Konkurrenz. 

Mit einem gewissen kühlen Staunen ­erkundet Marie Kreutzer die Welt der ­Systemhotels, der Geschäftsessen, der ­Fitnessstudios, der Flughäfen. Dem steht in Gestalt von Conny eine Figur gegenüber, die alles in eine andere Perspektive rückt. Valerie Pachner und Pia ­Hierzegger passen in ihrer Unterschiedlichkeit sehr gut zusammen. Die eine oder ­andere ­Szene wirkt ein wenig gestellt oder auch ästhetisch forciert, insgesamt ist dies aber eine überzeugende Geschichte aus der heutigen Welt.

A 2019, 108 Min., R: Marie Kreutzer, D: Valerie Pachner, Pia Hierzegger, Mavie Hörbiger, Start: 16.5.

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