Familie

Der Digital-Knigge für Eltern

Ist es okay, wenn mein Kind Counterstrike spielt? Kann ich mein Kind unbeaufsichtigt vor youtube setzen? Hier sind unsere Tipps zum Umgang mit digitalen Medien für Kinder

Ab wann ein Smartphone?

Nicht vor dem 9. Geburtstag, empfiehlt die Medienpädagogin Kristin Langer von der Initiative Schau Hin!. Und dann auch nur unter bestimmten Vorgaben und Regeln, die möglichst schriftlich festgehalten werden sollten: Beim Essen, in der Schule und bei den Hausaufgaben ist das Handy tabu, nachts bleibt es aus, Spiele und Apps nicht ohne Einwilligung der Eltern herunterladen – um nur einige Beispiele zu nennen. Vorlagen gibt es etwa unter ­www.mediennutzungsvertrag.de.

Langer rät, die Kinder an den Kosten zu beteiligen, damit sie lernen, Mitverantwortung zu tragen. Es muss auch nicht gleich die Internetflatrate sein, der WLAN-Zugang zu Hause reicht ­für Einsteiger aus.

Grundsätzlich gilt: Digitale Medien sind Teil der Alltagskultur von Kindern und Jugendlichen. Verbote bringen daher wenig. Viel wichtiger ist, sich als Vater und Mutter dafür zu interessieren, was die Kinder mit ihren Handys machen – und bei Problemen ansprechbar zu sein. Und man sollte sich bewusst machen, dass Eltern Vorbilder und Rollenmodelle sind. Wer ständig aufs Smartphone starrt, aber von seinen Kindern maßvolle Mediennutzung einfordert, ist wenig glaubwürdig.

Macht Fernsehen dumm?

Im Gegenteil: „Von altersgerecht aufbereiteten Sendungen können Kinder viel lernen, etwa, wie Dinge aus dem Alltag funktionieren“, sagt Kristin Langer. Voraussetzung dafür ist, dass die Inhalte humorvoll, anschaulich und verständlich erklärt werden und zum Mitmachen animieren.

Was nicht geht: Alles, was Kinder überfordert oder verängstigt – also Werbung, Gewalt, Katastrophen- und Grusel-Filme. Eltern, die unsicher sind, ob eine Sendung für ihr Kind geeignet ist, können sich bei www.flimmo.de informieren.

Wichtig ist, dass Eltern nicht nur auf die Inhalte, sondern insbesondere auch auf das richtige Maß achten. Wenn der Konsum überhandnimmt, müssen sie Grenzen ziehen (siehe auch Medienzeiten).

Ist Youtube ­besser?

Kinderserien und -sendungen kann man auf Youtube oder vergleichbaren Videoportalen kostenlos streamen. Das ist praktisch, weil man sich im Tagesablauf nicht vom Fernsehprogramm abhängig macht. Es birgt aber auch Risiken. Als kritisch beurteilt Medienpädagogin Kristin Langer, dass Werbung eingeblendet und nach dem Ende des einen Clips immer gleich die nächste Folge gestartet wird; auch können sich Eltern nicht sicher sein, dass die Videovorschläge am Rand für Kinder geeignet sind.

Zwar lassen sich bei Youtube und anderen Jugendschutzeinstellungen aktivieren, aber der Filter funktioniert bei der Vielzahl an Clips nicht immer zuverlässig. Grundsätzlich besteht immer die Gefahr, dass sich die Kinder in den Weiten des World Wide Web verirren. Deswegen sollte man Vorschulkinder keinesfalls vor dem Tablet oder Laptop alleine lassen. Verlässlicher ist der gute alte DVD-Player – und, sich die Sendungen gemeinsam anzuschauen.

Medienzeiten oder wie viel ­Zocken ist okay?

Schau hin! empfiehlt: Kinder bis zum Alter von fünf Jahren sollten nicht täglich digitale Spiele spielen und nicht länger als eine halbe Stunde am Tag vor einem Bildschirm verbringen. Kinder von sechs bis neun Jahren maximal eine Stunde. Wer zehn oder älter ist, kann sich eine Wochenzeit von etwa neun Stunden Medienzeit selbst einteilen – egal ob TV, Games oder Internet.

Für alle Altersgruppen gilt: Immer wieder Pausen einlegen, in denen die Kinder sich bewegen und die „Wettbewerbsspannung“ runterfahren“ können. Beim Spielen auf Konsolen (Playstation, Xbox, Wii) sollten Eltern darauf achten, dass der Jugendschutzmodus fürs Internet eingestellt ist.

Hilfe, mein Kind spielt Counter­strike!

„Spiele können die Fantasie anregen und Kompetenzen fördern, aber auch überfordern, abstumpfen und die Zeit vergessen lassen“, sagt Kristin Langer. Einmal mehr sollten sich Eltern deshalb darum kümmern, was ihre Kinder vor dem Bildschirm machen und wie lange. Langer rät: Auf Inhalte achten, am besten auch mal mit dem Kind zusammen spielen – und die Altersfreigabe berücksichtigen.

Egoshooter sind voller Gewalt und nichts für Minderjährige. Man sollte aber auch versuchen, nachzuvollziehen, was Kinder bei diesem Genre fasziniert, sagt Langer: Es geht um Macht, um Kontrolle, darum, selbst etwas bestimmen zu können. „Warum ist das für mein Kind wichtig? Gibt es im realen Leben emotionale Schieflagen? Es ist wichtig, dass Eltern hier aufmerksam sind und sich darüber Gedanken machen. Wenn mein Sohn Ballerspiele bevorzugt, gibt es dafür einen Grund. Gut, wenn ich den kenne und wir offen darüber reden.“

Snapchat, WhatsApp, Musical.ly?

Erlauben oder nicht? Eltern müssen abwägen, ob ihr Grundschulkind tatsächlich schon reif genug ist, mit Social-Media-Apps umzugehen – und sollten mit ihnen über Risiken sprechen: Die Dienste sind kostenlos, dafür muss man Geschäftsbedingungen zustimmen, die aus datensicherheits- und jugendschutzrechtlicher Sicht eigentlich nicht sicher sind. Bilder und Informationen sind in einer Sekunde hochgeladen, aber dann teilweise für immer im Netz. Und es besteht die Gefahr, dass man in Kontakt mit dubiosen Menschen kommt.

Übrigens: In den AGBs von Facebook, WhatsApp oder Musical.ly steht, dass man 13 Jahre alt sein muss, um die Dienste zu nutzen – was allerdings nicht kontrolliert wird. Man kann also auch klare Kante zeigen und Nein sagen, selbst wenn Grundschulkinder argumentieren „Alle anderen dürfen, nur ich nicht“.

Bei einem ungeschützten Profil können auch Außenstehende den Fotoverlauf oder die Statusmeldungen verfolgen. Essenziell sind daher Sicherheitsvorkehrungen: Jedes Konto sollte nur für bestätigte Freunde zugänglich sein.

Wie verhindere ­ich Cyber­mobbing?

Jedenfalls nicht, indem man heimlich nachschaut, was das Kind bei WhatsApp schreibt oder bei Facebook postet. Eltern sollten ihren Kindern lieber signalisieren: Ich vertraue Dir. Ich kontrolliere Dich nicht. Wenn Du Hilfe brauchst, kannst Du immer zu mir kommen.
Aber, Vorsicht:

Nicht jeder Konflikt auf WhatsApp ist gleich Cybermobbing. Herumfrotzeln und sich gegenseitig Aufziehen gehört zur Streitkultur von Kindern und Jugendlichen dazu. Wichtig ist, sich – eventuell gemeinsam mit der ganzen Klasse – über Netiquette zu verständigen: Wir behandeln einander im Netz so, wie wir auch selbst behandelt werden wollen. Keine Hetze, kein Dissen, keine falsche Gerüchte.

Letztlich geht es auch um die in der Familie gelebten Werte: Welche Schimpfwörter benutzen wir zu Hause? Wie gehen wir mit Gefühlen wie Wut, Aggression und Ohnmacht um? Was sind gute Strategien, wenn es um die Lösung von Konflikten geht? Wer sein Kind vor Cybermobbing schützen will, sollte zu diesen Fragen eine klare Haltung beziehen.

Ausführliche Informationen gibt es beim Elternratgeber SCHAU HIN! Eltern können sich dort online direkt mit Fragen und Problemen an Mediencoach Kristin Langer wenden. www.schau-hin.info