Kino

Der Dolmetscher

Der Übersetzer Ali Ungár (gespielt vom Starregisseur Jirí Menzel) steckt eine ­Pistole in seinen beigen Trenchcoat: ­Seine Eltern wurden im Zweiten Weltkrieg ermordet, und er meint durch ein Buch den Mörder – einen NS-Truppenführer – in Wien ausfindig gemacht zu haben. Er sucht Rache und findet dort aber nur den Sohn des vermuteten Täters: Georg Graubner (Peter Simonischek, „Toni Erdmann“) ist ein pensionierter Lehrer. Nach kurzen Disputen („Sie antisemitisches Schwein“ – „Sie zionistischer Übermensch“) machen sich beide in der Slowakei auf eine Spurensuche nach Erinnerungen: Graubner will sich erstmals mit der Schuld seines Vaters auseinandersetzen, Ungár will herausfinden, wo seine Eltern begraben sind. Beim Roadtrip freunden sich die beiden an, entdecken Ähnlichkeiten trotz aller Unterschiede.

Der Dolmetscher
Der Dolmetscher
Foto: Barbora Janrov Titanic nfilm coop

„Der Dolmetscher“ des slowakischen ­Regisseurs Martin Sulík („Der Garten“) reflektiert die Geschehnisse des Zweiten Weltkriegs aus der Perspektive der Nachgeborenen, fragt nach deren Verantwortung – und ist zugleich eine Parabel auf problematische Vater-Sohn-Beziehungen. Dabei wird gewitzelt, derb und selten politisch korrekt. Angenehm unprätentiös wird Zeitgenössisches in seiner Vielschichtig­keit abgebildet – inklusive Kebab und ­Ententanz.

„The Interpreter“, SLO/CZ/A 2017, 113 Min., R: Martin Sulík, D: Peter Simonischek, Jirí Menzel, Zuzana Mauréry, Start: 22.11.

https://www.zitty.de/event/kino/der-dolmetscher-2018/