Kino

Der Esel hieß Geronimo

Eine Geschichte aus dem Norden Deutschlands, da, wo es nördlicher kaum mehr geht. Da, wo man Bier aus Flaschen mit Bügelverschluss trinkt und die Bewohner für ihre sagenhafte Gesprächigkeit berühmt sind. In der Flensburger Förde liegt die zu Dänemark gehörende Große Ochseninsel (Store Okseø), die von 2004 bis 2016 von einer kleinen Gemeinschaft überwiegend deutscher Pächter bewirtschaftet wurde. Doch der Traum vom Inselleben platzte, zerstritten und pleite kehrte man zurück. Eigentlich könne man die Insel nur an 70 Tagen im Jahr wirtschaftlich betreiben, sagt Rüdiger, der Architekt, der sich dort als Schäfer versuchte. Andere Ex-Pächter dümpeln heute auf alten Schiffen im Flensburger Hafen herum. Alle erinnern sich mit einer gewissen Wehmut.

Gibt es ein Leben nach dem Sehnsuchtsort?
GMfilms

Arjun Talwars und Bigna Tomschins Dokumentarfilm lebt von diesem Sentiment: Ihre Protagonisten wissen nichts Rechtes mit sich und ihrer Zeit anzufangen. Und so hat auch der Film viel Zeit, lässt sich ein auf diesen Rhythmus, etwa, wenn er das einstige Inselleben anhand von ein paar Amateuraufnahmen beschreibt: Schafe bummeln durchs Bild, Blätter rauschen im Wind, Möwen schreien, und der titelgebende Esel schaut auch mal in die Kamera. Wichtig ist eigentlich: Gibt es ein Leben nach dem Sehnsuchtsort? Immerhin packt einer mal die Koffer und sitzt am Bahnhof, die Zukunftspläne der anderen klingen da eher realitätsfern.

D 2018, 80 Min., R: Arjun Talwar, Bigna Tomschin, Start: 19.9.

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