Kino

Der Flohmarkt von Madame Claire

Cathérine Deneuve liefert Jahr um Jahr meist sehenswerte Filme ab – und ist für Fans des gehobenen französischen Unterhaltungsfilms stets für eine Überraschung gut. Hier gibt die 75-Jährige die Madame Claire, eine ältere Dame, die der festen Meinung ist, heute den letzten Tag ihres Lebens zu verbringen. Deshalb soll in ­ihrer mit Antiquitäten vollgestopften Villa klar Schiff gemacht werden – alles muss raus, vom Ahnenporträt über alte Briefe bis zur Sammlung mit wertvollen mechanischen Puppen. Es zeigt sich, dass Madame ab und zu einen geistigen Aussetzer hat. Über ihre Gegenwart schieben sich Szenen aus der Vergangenheit. Kaum steht der Trödel im Garten, trifft die von einer Freundin alarmierte Tochter Marie ein, die einst im Groll das Elternhaus verließ. Mutter und Tochter verbindet eine Familientragödie, die der Film in sanften Bildern und Rückblenden enthüllt.

Der Flohmarkt von Madame Claire
Eigen: Madame Claire (Catherine Deneuve)
Foto: Neue Visionen

Julie Bertuccellis Mutter-Tochter-Schmonzette ist tief in die gepflegte Melancholie schöner und weniger schöner Erinnerungen getaucht, nur allmählich ­erfahren wir von den noch schlimmeren Geschehnissen in der Vergangenheit, die eine Ehe und eine ganze Familie zerstört haben. Dazu plinkert ein Piano, sagen nette ­Leute nette Sätze. Wir schauen dem ­gehobenen Kitsch zunächst interessiert, bald gelangweilt zu. Aber die Deneuve ist wieder ­sensationell.

„La dernière folie de Madame Claire“, F 2018, 95 Min., R: Julie Bertuccelli, D: Catherine Deneuve, Chiara Mastroianni, Alice Taglioni, Laure Calamy, Start: 2.5.

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