BERLINER LUFT

Der Hauptmann von Köpenick

Das DT-Schauspiel zeigt sich bei der Köpenickiade in Höchstform

Idealbesetzung in der Titelrolle: Milan Peschel – Foto: Arno Declair

So schön wird auf Bühnen selten berlinert. Es ist ja auch ein Heimatabend par excellence: Carl Zuckmayers Drama um die Köpenickiade des Schusters Wilhelm Voigt, der in falscher Uniform Soldaten kommandiert, das Köpenicker Rathaus besetzt und die Stadtkasse raubt, kam hier im Deutschen Theater 1931 zur Uraufführung. Als Fanal gegen den Militarismus des angehenden Nazi-Reichs.

Jan Bosse rückt den „Hauptmann von Köpenick“ ins Berlin der Gegenwart. Sein Voigt ist ein Loser unter dem Diktat des Kapitals. Fehlen dir Pass, Arbeit und Wohnung, kannste nüscht werden im Leben, lernt er. Zwischen mobilen Türmen mit Fototapeten von Berliner Bauten wird mitunter gegen die Gentrifizierung von Prenzlauer Berg gewettert.

Diese eingebauten Szenen gehören nicht zum Stärksten an einem Abend, der ansonsten das DT-Schauspiel in Höchstform zeigt. Lebenssatt und aufrichtig. Mit Felix Goeser, Katrin Wichmann und Steffi Kühnert, die diverse Schattierungen von hintergründigem Untertanengeistes ins Rund zaubern. Und mit einer Idealbesetzung in der Titel­rolle: Milan Peschel ist ein gedemütigter, aber kraftvoll heller Hauptmann von Köpenick. Ein Anarchist aus dem Bauch: „Erst kommt der Mensch und dann die Menschenordnung“ ist seine Wahrheit. Wunderbar! CHRISTIAN RAKOW

13. + 25.1., 20 Uhr, Deutsches Theater, Schumannstr. 13a, Mitte. Regie: Jan Bosse; mit Milan Peschel, Steffi Kühnert, Božidar Kocevski, Felix Goeser, Katrin Wichmann, Lisa Hrdina. Eintritt 5-48, erm. 9 €