Templin

Der Kiez der Kanzlerin

Templin kennen viele als Heimat Angela Merkels. Besuchenswert ist die Stadt aber aus einem anderen Grund, wie ein Festival Anfang August zeigt: die traumhafte Lage am Wasser.

Der Name Wasserspiele ist klug gewählt. Templin und das Wasser sind eng miteinander verbunden. Dabei war das flüssige Element nicht nur Segen für die Stadt. Im Mittelalter brach ein Naturdeich und eine Flutwelle überschwemmte Templin. Doch heute lebt es sich gut in der beschaulichen Kleinstadt mit ihren vielen Seen in der Umgebung.

Ein Besuch lohnt sich zu jeder Jahreszeit, auch wenn gerade mal kein Kulturfestival den Ort noch ein wenig schöner macht. Kathrin Frese ist gebürtige Templinerin, hat aber viele Jahre im Ausland und Berlin gelebt. Vor dreizehn Jahren gab sie ihren Beruf als freie Journalistin beim Deutschlandradio auf und ging zurück in ihre Heimat. Als frisch gebackene Geschäftsführerin des Multikulturellen Centrums überlegte sie, wie sie die Arbeit des Kulturträgers bekannter machen könnte. „Wir wollten mit unserem Programm zu den Menschen in die Stadt gehen“, sagt sie. Was als kleine Marketingveranstaltung begann, entwickelte sich zu einem überregional bedeutsamen Kulturereignis, der RBB sendete live von den Wasserspielen.

Kathrin Frese führt den Erfolg auf das Programm zurück, das hochkulturellen Ansprüchen genügt, aber auch emotional berührt: „Die Wasserspiele sind eine poetische Veranstaltung, keine Party. Wir wollen sinnliche Momente schaffen“, sagt sie. Ein gutes Beispiel hierfür ist das Konzert des Salon-Orchesters Berlin. Während das in wechselnder Besetzung antretende

Orchester unter der Leitung von Christoph Sanft Evergreens spielt, strahlt die Landschaft im bunten Licht, zu späterer Stunde erleuchtet ein Feuerwerk den Himmel. Deutlich wird die Naturverbundenheit auch beim Musikschiff, das tagsüber mit beschwingter Weltmusik, Tango oder Klezmer über den Templiner See schippert.

Das Programm zeigt  zudem die Offenheit des für die Organisation verantwortlichen Kulturvereins. Bereits bei der Gründung 1993 entschied man sich für den Namen Multikulturelles Centrum. „Das Wort war damals in Ostdeutschland noch kein politischer Kampfbegriff, aber man wollte dennoch ein Zeichen für Toleranz setzen“, sagt Kathrin Frese. „Den Uckermärkern wird gerne nachgesagt, sie seien muffelig und scheu gegenüber Fremden“. Dies sei aber nur ein Vorurteil, wie sie meint. In Wirklichkeit seien die Menschen gastfreundlich: „Wer hierher kommt, wird schnell integriert“.

Und wer ein Mal in Templin gelebt habe, käme immer wieder in seine alte Heimat zurück. Das gilt selbst für Angela Merkel, die in Templin groß geworden ist. Im Dorf Hohenwalde hat sie seit Jahrzehnten ihr Häuschen. Dort fühle sie sich am wohlsten.

10. Wasserspiele Templin, vom 1.-4.8.

Tagesprogramm frei, Konzerte ab 15 Euro

www.multikulturellescentrum.de

Essen: Altstadtcafé

Es gibt zwar nur Kaffee und Kuchen, aber was für welchen! Hausgebackene Obsttorten, beispielsweise Stachelbeerbaiser, warten in der mit Messing beschlagenen Vitrine auf Genießer, dazu schwebt der Duft frisch gebrühten Kaffees durch den Raum. Die Bohnen liefert eine kleine Rösterei in Lychen aus biologischem Anbau.

17268 Templin, Am Markt 11,

Tel. 03987-208 27 9, tägl. 10-18 Uhr


Übernachten: Kleine Schorfheide

Sieben Kilometer westlich der Stadt Templin liegt zwischen Wald und Wiesen, am Rand des Densowsees das Örtchen Annenwalde. Mit seinen reetgedeckten Häusern und der Schinkelkirche ist das Dorf auch architektonisch eine Augenweide. Zwölf charmante Zimmer hat die Pension. Im angeschlossenen Restaurant bereitet der Chef deftige Regionalspeisen zu.

17268 Templin, OT Densow, Annenwalde 13,

Tel. 03987 – 54074, tägl. 11.30-21 Uhr,

www.kleineschorfheide.de

Mit dem Fahrrad nach Templin

Durch Templin führt der Fernradweg „Tour Brandenburg“. Der Abschnitt von Chorin nach Fürstenberg gehört zu den abwechslungsreichsten. Uralte Buchenwälder, unverbaute Seen und die hügelige Landschaft machen das Radeln zum Genuss. Allerdings ist die Strecke von Bahnhof zu Bahnhof 82 Kilometer lang. Aber da Templin genau auf der Hälfte liegt, kann man die Strecke auf zwei Tage verteilen.

www.zitty.de/radtouren