Kino

Der lange Sommer der Theorie

Ein Haus, das bald leer ist. In einem ­Viertel, das es noch nicht gibt. Baustellen­zäune, Kräne, Staub. Hier wächst die ­Euro­pacity am Hauptbahnhof. Katja (Katja Weilandt), Nola (Julia Zange) und ­Martina (Martina Schöne-Radunski), berlin­typisch prekäre Künstlerinnen, bleiben in ihrer WG noch wenige Tage.

Drei Damen mit Liegestühlen zur Baustelle
Foto: filmgalerie 451

Dann wird sich die Hausgemeinschaft, die gern gemeinsam trinkt und debattiert, auflösen müssen. „Wir führen ein provisorisches Leben“, sagt Nola, „die ­Taschen sind immer gepackt. Wir sind auf dem Sprung.“ Sie ist das Zentrum eines hybriden Spiel-Doku-Films, der sich um keinerlei Erzählkonventionen scherend, zwischen Thesen und Themen springt. Konsum, Selbst­optimierung, Bindungslosigkeit, Elterngeld, Rechtsruck.

Nola interviewt für einen Film-im-Film Theoretiker wie die Soziologin Jutta ­Allmendinger, den Damals-noch-Volksbühnen-Dramaturgen Carl Hegemann mitten in der Castorf-Kathedrale oder auch den Historiker Philipp Felsch, bei dessen 68er-Diskursanalyse „Der lange Sommer der Theorie“ sich Irene von ­Alberti den Titel borgt, als eine Art Fortsetzung ihres, gemeinsam mit Miriam Dehne und ­Esther Gronenborn gedrehten Polesch-Episoden­films „Stadt als ­Beute“ (2005). „Der lange Sommer…“ ist ein überaus ­eigenwilliger, oft grotesker, auch ­fröhlich feministischer Zettelkasten ­loser Notizen, der viel zu denken gibt und ­offene Fragen nicht scheut.

Wo eben auch mal ­schöne Männer per Fingerschnipsen zu Steh­lampen werden. 

D 2017, 81 Min., R: Irene von Alberti

https://www.zitty.de/event/drama/der-lange-sommer-der-theorie/