URAUFFÜHRUNG

Der letzte Gast

Nihilistische Gleichmacherei von ­Zuständen des Unglücks von oberen wie unteren Volksschichten

Ganz unten: Inka Friedrich, Sascha Nathan – Foto: Julian Röder / BE

Mittelschicht und Unterschicht, alle unglücklich und mit gänzlich unerfüllten Sehnsüchten – so könnte man Árpád Schillings BE-Produktion „Der letzte Gast“ zusammenfassen. Schilling bleibt in dieser selbst geschriebenen Parabel um ein alterndes Akademiker-Ehepaar (Corinna Kirchhoff und Wolfgang Michael) und den Einbruch einer teils prolligen, teils migrationshintergrundigen Dreier-Crew (Sascha Nathan, Inka Friedrich und Nico Holonics) leider weit hinter den Erwartungen zurück.

Gut, die Darstellungsprofis des BE malen anhand der von Schilling und seiner Co-Autorin Éva Zabezsinszkij entworfenen Charakterskizzen die Zustände des Unglücks der oberen wie der unteren Schichten in der westlichen Welt ganz gut auf die Folie, die die Drehbühne teilt. Im stärkeren zweiten Teil des Abends dürfen sie sich in einer Orgie des magischen Realismus auch von ihren (sexuellen) Fesseln befreien. Und in den Szenen, in denen es um Altenbetreuung und die Komik der Demenz geht, wird vielsagend im Saal gelacht und gehustet, geröchelt und gestöhnt, als sei der Soundtrack Job der Zuschauer.

Aber diese Momente täuschen nicht über das Knarren und Klappern der Klischeemaschine hinweg. Jegliche Dynamik geht auch deshalb verloren, weil in diesem Reigenspiel des Scheiterns alle gleich fremd sind in einer kalten Welt. TOM MUSTROPH

29.3., 5. + 14.4., 19.30 Uhr, Berliner Ensemble, Bertolt-Brecht-Platz 1, Mitte. Regie: Árpád Schilling; mit Andreas Döhler, Judith Engel, Corinna Kirchhoff. Eintritt 11 – 35, erm. 9 €