Farbsteinchen

Der Maler Jack Whitten

Der Hamburger Bahnhof stellt das unkonventionelle Werk eines Künstlers und Menschenrechtlers vor

©John_Berens
Porträt Jack Whitten im Malerkittel neben einem Bild aus Farbsteinchen, von John_Berens

Für das Publikum kommt diese monografische Ausstellung im Hamburger Bahnhof zur rechten Zeit. Nach den Verfilmungen von James Baldwins neu aufgelegten Romanen erschließt sich Jack Whittens Malerei schnell: Auch in seinem Werk sind New Yorker Jazz, Rassismus in den USA und die Menschenrechtsbewegung Thema. Jack Whitten ist für die Malerei fast, was Baldwin für die Literatur war.


Die übersichtliche Hängung, die Hauskurator Sven Beckstette und ­Direktor Udo Kittelmann noch gemeinsam mit Whitten überlegten, fächert diese ­Themen übersichtlich auf. Von kleinen Schwarz-weiß-Arbeiten zum Leid Schwarzer bis zu einer riesigen Hommage an Barack Obama, der Whitten die Gestalt eines Blackberry-Bildschirms gegeben hat. Und von abstrakten Gesten bis zu den mosaik­artigen Gemälden aus Tausenden kleiner Stücke, die der Maler aus Farbe formte. In der hellen Halle kommt der Rhythmus von Farbe und Form gut zur Geltung.


Zusammengehalten wird die Schau aber auch von ­einer Haltung zum Leben, wie sie sich ebenfalls durch Baldwins Bücher zieht: Whittens Werk zeugt von Menschenliebe und Spiritualität, zwei Aggregatzustände des Geistes, die der Kunstbetrieb derzeit gern tabuisiert. Hier fordern sie ihr Recht in einer Schau ein, die der Maler Jack Whitten nicht mehr erlebt: Er starb im vergangenen Jahr. 

Bis 1.9.: Hamburger Bahnhof, Invalidenstr. 50/51, Tiergarten, Di, Mi, Fr 10–18, Do bis 20 Uhr, Sa/So 11–18 Uhr, 8/4 €, bis 18 J. frei