Kino

Der marktgerechte Mensch

Leslie Franke und Herdolor Lorenz stehen für ein Graswurzelkino, das sich für Botschaften und Inhalte interessiert, aber nicht für die ästhetische Form. Dokus wie „Der marktgerechte Patient“ können kritische Diskussionen anstoßen, wenn sie auf die neoliberalen Dynamiken blicken, in denen Grundversorgungsleistungen unserer Kommunen neue Warenform annehmen. Die skeptische Einordnung dieser Entwicklung liefern in den Filmen Einzelpersonen, Vertreter von NGOs, von Initiativen oder Stiftungen. Aber die Filmemacher schaffen kaum Mehrwert.

Der marktgerechte Mensch
Foto: Edition Salzgeber

In ihrem jüngsten Film wollen sich Franke und Lorenz die neuen Arbeitsformen vornehmen. Das Verschwinden unbefristeter Arbeitsverhältnisse zugunsten der Gig-Ökonomie, in der jeder sein eigener Unternehmer wird, gesteuert von Algorithmen, mit denen die Dialektik von Kontrolle und vermeintlicher Freiheit gesteuert wird, ist ein Hauptthema. Die Heilmittel: solidarische Selbstorganisation, Betriebsräte, Bewusstwerdung. Dazwischen: der Kult der Selbstoptimierung, die Lohndumpingspiralen der Textilproduktion in Äthiopien, die Arbeitsbedingungen der LKW-Fahrer, eine unausgegorene Kritik der europäischen Freizügigkeit und die G20-Proteste von Hamburg – ein unfokussiertes Themengeflecht, in dem die interessantere Diskussion über die Ideen der Gemeindeökonomie und die Prinzipien von gemeinwirtschaftlichem Handeln fast untergeht.

D 2020, 99 Min., R: Leslie Franke & Herdolor Lorenz, Start: 16.1.

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