KAMMERSPIEL

Der Morphinist

Hans Fallada wird derzeit wieder viel auf den Bühnen gespielt. Kein Wunder, scheinen seine Krisenromane „Kleiner Mann – was nun?“ und „Wolf unter Wölfen“ in Zeiten, wo Mietenexplosion und im Niedrigzins zusammenschrumpfende Renten den Grundstock für wachsende Alters­armut legen, hochaktuell. Doch ­Fallada war nicht nur ein präziser Beschreiber prekärer Zumutungen, er war auch ein Junkie.

Murkel wird abgemurkst: Inka Löwendorf mit Falladas weißen Hasen – Foto: Verena Eidel

Selbstzerstörerische Alkohol- und Morphiumabhängigkeit begleitete stets seinen Schaffensprozess, mehrfach landete er in geschlossenen Heilanstalten und im Knast. Davon berichtet etwa seine autobiografische Kurzgeschichte „Sachlicher Bericht über das Glück, ein Morphinist zu sein“, die nun eine Vorlage für Inka Löwendorfs skizzenhaft-stimmige Studio­inszenierung „Der Morphinist“ ist

Raumgreifend bestimmt eine schräge Metallfläche die Bühne (Julia von Schacky), allzu deutliche Illustra­tion für die Talfahrt des stetig in die Sucht abgleitenden, launenhaften Autors. Aber auch Löwendorf selbst schlüpft in die Haut des (jungen) Fallada, spielt dazu dessen tüchtige ­erste Ehefrau Suse sowie die fatale Suchtkompanin Ulla, schnoddrig, burschikos, aufregend, und unterstreicht damit, dass diese Lebens­geschichte auch eine Berliner Geschichte ist, eine Skizze unserer Stadt aus schrägen Typen, pulsierendem Nachtleben – und dem Kater danach.

13., 14., 21., 22. + 30.11., 19.30 Uhr, Heimathafen Neukölln, Karl-Marx-Str. 141, Neukölln. Regie: Inka Löwendorf; mit Inka Löwendorf, Alexander Ebeert. Eintritt 18,60, erm. 12 €