Berliner Historie

Der Name der Straße

Manche Schilder mussten im Laufe der Geschichte ausgewechselt werden.

Adenauerdamm – Kaiserdamm
Nicht immer stößt eine Umbenennung auf Zustimmung. Eine Woche nach Adenauers Tod im April 1967 ließ der Bezirk Charlottenburg die Straßenschilder am Kaiserdamm überkleben. Die wichtige Ost-West-Tangente sollte fortan Adenauerdamm heißen. Doch die Berliner murrten. 140.000 Unterschriften wurden gesammelt, eine Aktionsgemeinschaft gegründet, es kam zu Protesten. Nach einigen Wochen lenkten die Bezirksverordneten ein. Der Adenauerdamm wurde wieder zum Kaiserdamm.

Reichskanzlerplatz – Adolf-Hitler-Platz – Theodor-Heuss-Platz
Von Anbeginn wollten die Stadtplaner hier protzen. Ein riesiger Platz entstand 1907 mitten auf der Wiese. Die ersten Häuser kamen später. Adolf Hitler griff die Pläne des Reichskanzlerplatzes dankbar auf und ließ den monströsen Ort in Adolf-Hitler-Platz umbenennen. Nach dem Zweiten Weltkrieg hieß er dann vorerst wieder Reichskanzlerplatz. Seinen heutigen Namen Theodor-Heuss-Platz erhielt er 1963, dabei war Heuss gar nicht Kanzler, sondern Bundespräsident.

Knie – Ernst-Reuter-Platz
Schade um die skurrile Bezeichnung: Knie. So hieß der Knick zwischen Berliner Straße (heute Otto-Suhr-Allee) und Hardenbergstraße, der aussah wie ein Knie. Auch die
U-Bahnstation hieß damals so. 1953 wurde das Knie autofahrergerecht umgebaut und zum Ernst-Reuter-Platz. So verlor Berlin sein Knie.

Bezirk Horst-Wessel – Friedrichshain
Die Nazis verklärten den SA-Sturmführer zum Märtyrer. 1930 war er erschossen worden, die Nationalsozialisten ließen keine Gelegenheit aus, an den beruflich wenig erfolgreichen Hilfsarbeiter zu erinnern. So wurde 1933 aus Friedrichshain der Bezirk Horst Wessel. Das Krankenhaus Friedrichshain, in dem er starb, bekam den Namen Horst-Wessel-Krankenhaus. 1945 war der Wessel-Spuk vorbei.

Baltenplatz – Bersarinplatz
Sein Wirken ist bis heute umstritten. Nikolai Bersarin war der erste sowjetische Stadtkommandant Berlins. Konservative plädierten für eine Rückbenennung des Bersarinplatzes (seit 1947) zum Baltenplatz. Doch er durfte seinen Namen behalten. Seit 2003 ist Bersarin sogar wieder Ehrenbürger der Stadt Berlin.  

Hurengasse – Rosenstraße
Der Name war Programm. In der Hurengasse befand sich ein Bordell, erbaut vom Rat der Stadt. 1650 wählte man einen weniger pikanten Namen. Rosenstraße. Rose ist die freundliche Bezeichnung für Hure.

Belle-Alliance-Platz – Mehringplatz
Das war einst der prächtigste Ort Berlins. Das Tor zur Friedrichstraße. Im Zweiten Weltkrieg komplett zerstört, sollte der Platz nicht mehr an die preußische Kriegszeit erinnern. Belle-Alliance hieß das Gehöft bei Waterloo, in dessen Nähe Napoléon vernichtend geschlagen wurde. Der neue Name erinnert an den marxistischen, in der Bevölkerung weitgehend unbekannten Historiker Franz Mehring.

Rixdorf – Neukölln
Rixdorf hatte einen frivolen Ruf. Der war so schlecht, dass es 1912 in Neukölln umbenannt wurde, um das Image abzuschütteln.

Christianastraße – Osloer Straße
Christiana, so hieß bis 1924 die Hauptstadt von Norwegen. Heute Oslo. Es sollten noch Jahre vergehen, bis aus der Christianastraße in Berlin die Osloer Straße wurde. Erst 1938, unter den Nationalsozialisten, war es so weit.   

Dimitroffstraße – Danziger Straße
Der Bezirk war dagegen, die Anwohner waren dagegen, nur der Berliner Bausenator Herwig Haase war dafür. Im November 1995 erhielt die Dimitroffstraße ihren historischen Namen Danziger Straße zurück. Der Name des Ostblock-Helden Dimitroff verschwand aus dem Berliner Stadtbild. Der bulgarische Kommunist stand als Hauptangeklagter des Reichstagsbrandes vor Gericht, konnte aber rhetorisch geschickt seine Unschuld beweisen. 1946 wurde Dimitroff bulgarischer Ministerpräsident.

Stalinallee – Karl-Marx-Allee
1961 war es selbst der DDR zu viel. Die Stalinstatue wurde in einer Nacht- und Nebelaktion entfernt und der sozialistische Boulevard in Karl-Marx-Allee umbenannt. So heißt er bis heute. Seit der Wende gibt es Überlegungen, den historischen Namen Große Frankfurter Allee wieder einzuführen, aber bislang konnte sich Marx behaupten. Wichtiger Hinweis für alle Nichtberliner: Mit Frankfurt ist nicht Frankfurt am Main, sondern Frankfurt an der Oder gemeint.  

Hundebrücke – Schlossbrücke
Um 1800 war die Schlossbrücke am Lustgarten eine hölzerne Zugbrücke. Wenn es zur Jagd in den Tiergarten ging, sammelte sich auf ihr die königliche Hundemeute, daher der Name Hundebrücke. Zur Schlossbrücke wurde sie 1822, als man das Konstrukt aus Holz durch eine massive Steinbrücke ersetzte. Sollte das neue Berliner Stadtschloss nicht gebaut werden, plädieren wir für die Rückbenennung in Hundebrücke.

Kochstraße – Rudi-Dutschke-Straße

Ein großer Coup der „taz“ und eine Niederlage für den Axel-Springer-Verlag. Zum 25. Todestag des sozialistischen Studentenführers schlug die linke Tageszeitung vor, die Kochstraße zwischen dem „taz“-Verlagshaus und dem Axel-Springer-Hochhaus in Rudi-Dutschke-Straße umzubenennen, was der Springer-Verlag mit einer Klage zu verhindern versuchte. Doch die Entscheidung der Kreuzberger Bezirksverordnetenversammlung pro Rudi-Dutschke-Straße war rechtens.

Dalldorf – Wittenau
Dalldorf hatte keinen guten Ruf in Berlin, denn dort befand sich die „Irrenanstalt Dalldorf bei Berlin“, heute „Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik“. Um die wirtschaftliche Entwicklung von Dalldorf nicht zu gefährden, forderten die Bewohner einen Namenswechsel.
Zu Ehren des Gemeindevorstehers Peter Witte erfand man 1905 den Namen Wittenau.

Börse – Marx-Engels-Platz – Hackescher Markt
Der S-Bahnhof Hackescher Mark ist der älteste Bahnhof auf der Stadtbahn und hat sich seit seiner Errichtung kaum verändert, ganz im Gegensatz zu seinem Namen. Anfänglich hieß die Station Börse, denn die befand sich unweit der Museumsinsel. Aus der Börse wurde 1951 Marx-Engels-Platz, was für Verwirrung sorgte, denn dieser lag in 500 Meter Entfernung, am Nikolaiviertel. 1992 einigte man sich auf die sinnvolle Bezeichnung Hackescher Markt.

Fruchtstraße – Pariser Kommune
Kaum vorstellbar, dass an dieser Straße einst prächtige Gärten lagen. Der Boden war sehr fruchtbar, daher Fruchtstraße. Zum 100. Jahrestag des revolutionären Aufstandes der Nationalgarde und der Arbeiter in Paris erhielt die Fruchtstraße den Namen Straße der Pariser Kommune. Vorschlag für eine erneute Umbenennung: Straße der urbanen Einöde.