Euch das Ufer, uns die Spree

Der Naturbursche auf der Galaxia

Nacho ernährt sich vom bootseigenen Garten

GalaxiaFoto: Lena Ganssmann
Galaxia
Foto: Lena Ganssmann

Nacho hockt auf einem Plastikeimer. Unter ihm ein orientalischer Teppich, der den Holzboden seines Floßes Galaxia bedeckt. Über ihm das Dach, darauf ein Garten. Der 28-jährige Spanier blickt in die Ferne. In der rechten Hand hält er eine selbst gedrehte Zigarette, die Hosenbeine sind bis zum Oberschenkel hochgekrempelt. Seine Spiegelreflexkamera liegt griffbereit zu seiner Linken. Neben ihm hockt sein Freund Jarmil. Die beiden schippern in gemütlichem Tempo auf dem Landwehrkanal in Kreuzberg. Das Floß liegt auf blauen Fässern im Wasser, es wird von einem kleinen Suzuki-Motor angetrieben, der einen gewaltigen Lärm macht. Als ihnen ein anderes Boot entgegenkommt, grüßen sich die Fahrer und tauschen sich kurz aus. „Auf dem Wasser sind die Menschen offener“, sagt Nacho.

Auf dem Fluss sind die Menschen offener

Sich auf Berlins Wasserstraßen treiben zu lassen, bedeutet für Nacho Unabhängigkeit. Er sagt, dass er auf dem Floß sein eigener Chef sein kann. „Zu meinem Konzept eines selbstbestimmten Lebens gehört auch, sich ein Stück weit selbst zu versorgen.“ Weil er in seiner Wohnung in Kreuzberg nicht genug Platz hat, um Pflanzen anzubauen, hat er den Kleingarten auf das Floß verlegt. In Konservendosen und Bierkrügen wird auf dem Bootsdach Gemüse gezüchtet: Mais, Peperoni, Tomaten und mehr.

Nacho mit seiner Galaxiabr>Foto: Lena Ganssmann
Nacho mit seiner Galaxiabr>Foto: Lena Ganssmann

Vor seiner Zeit in Berlin hat Nacho in Madrid für Film und Fernsehen gearbeitet. Für die Zukunft hat er sich wieder kleine Projekte vorgenommen. „Vom Boot aus hat man eine ganz andere Perspektive auf Berlin“, sagt er, greift zu seiner Kamera, richtet sein Objektiv auf ein Boot, das vor dem dicht bewachsenen Ufer vorbeifährt, und drückt ab. Luis Jachmann

Nacho tauscht Bootstour gegen Gemüse: tgl. 13 Uhr ab Landwehrkanal /Ende Reichenberger Straße