In Amt und Bürden

Der neue Atelierbeauftragte: Florian Schmidt

Seit April hat Berlin einen neuen Atelierbeauftragten: den Soziologen und Stadtentwickler Florian Schmidt. Zeit, sich umzuhören, wie er sich schlägt
Text: Sabrina Waffenschmidt

Er hat einen glatten Start hingelegt. Gleich am ersten Tag in seinem neuen Amt wurde er in den Rat der Künste gewählt, in das unabhängige Gremium mit Abgesandten aus der Berliner Kultur, das deren Belange gegenüber der Politik vertreten soll. Florian Schmidt war vielen schon zuvor bekannt.

Er hat die Initiative Stadt Neudenken mitbegründet, seit 2012 leitet er für sie im Abgeordnetenhaus den Runden Tisch zur Liegen­schaftspolitik, um mehr verfügbaren Raum für Kulturproduzenten schaffen zu können. In dieser Funktion hat Schmidt  viele Dialoge angestoßen, und er hat Verfahren zur Bürgerbeteiligung etwa bei der Entwicklung am Kreuzberger Blumengroßmarkt betreut. Er genießt Vertrauen in der Szene. Als sich jedoch in seiner Vorstellungsrunde beim Berufsverband Bildender Künstler Berlin (BBK), bei dem das Amt des Atelierbeauftragten angesiedelt ist, zeigte, dass er fast alle Mitarbeiter bereits persönlich kannte, war sogar der BBK-Vorsitzende Herbert Mondry baff.

Mondry war es, der Schmidt die Bewerbung auf den Posten nahe­legte. „Ich war überrascht, weil ich gar nicht daran gedacht hatte, mich zu bewerben,“ erinnert sich Schmidt. „Aber dann merkte ich sofort, dass es passt. Die Position bietet Fokussierung und Verantwortung und gibt mir die Möglichkeit, etwas für ganz Berlin zu gestalten. Das hat mich sofort elektrisiert.“ Schmidt sitzt nun hinter seinem Schreibtisch im BBK und wirkt gleichzeitig nervös und gelassen. Später fliegt er noch nach Barcelona, wo seine junge Familie lebt. Fast zeitgleich mit dem Job des Atelierbeauftragten wurde der 38-Jährige auch zum zweiten Mal Vater. „Das war heftig, aber mittlerweile habe ich alles ganz gut verstanden. Nach dem ersten überwältigenden Informations-­Tsunami fängt die Arbeit jetzt auch richtig an.“ Jede Woche stehen ihm dazu 30 Arbeitsstunden zur Verfügung.

Schmidt gilt, ähnlich wie der neue Kulturstaatssekretär Tim Renner, als interdisziplinärer Moderator zwischen Kultur, Kreativ­wirtschaft und Stadtentwicklung. Zusammen könnten die beiden ein gutes Team werden. Sie scheinen an einem Strang zu ziehen. Gemeinsam zu handeln, die Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Künstlern zu stärken, Akteure zu einem Konsens zu bewegen: Das sind Schmidts Ziele. In Zahlen heißt das, 2.000 neue Ateliers in den nächsten drei Jahren auf den Weg zu bringen.

Dafür will er kreative Lösungen finden. Das klassische Atelier­anmietprogramm solle ein Baustein bleiben, aber steigenden Mieten hinterherzusubventionieren, sei langfristig nicht nachhaltig, sagt er. „Wir müssen zukünftig vor allem landeseigene Liegenschaften nutzen. Dabei brauchen wir bei Bestandsgebäuden behut­same Sanierungsstrategien und beim Neubau geeignete Flächen für preiswerte modulare Atelierbauten. Neben der unersetzlichen Subventionierung können auch durch Mischnutzungen und Mischkalkulationen neue Räume geschaffen werden. Das heißt, auf der einen Seite zahlungskräftige Nutzer ins Spiel zu bringen, um auf der anderen Seite bezahlbare Ateliers zu schaffen.“ Doch das Teure nutzen, um das Günstige zu schaffen, kommt nicht bei allen gut an, vor allem nicht bei Investoren. Die zweite Strategie ist daher laut Schmidt ein Stadtentwicklungsplan für Kultur, den es zwar für Bereiche wie Klima, Verkehr, Gewerbe­zentren, Industriegewerbe, Stadtlandschaft und Wohnen gibt, der aber für Kultur bislang fehlt.

Zwei Jahre sind es bis zu den nächsten Wahlen. Bis dahin will Florian Schmidt nicht nur die Weichen gestellt, sondern auch die Stellschrauben angezogen haben.