TANZTHEATER

Der Palast

Constanza Macras und ihr Ensemble DorkyPark entern mit einer bildstarken Berlin-Bespiegelung die Volksbühne

Bildstarkes Spektakel und kämpferischer Kommentar zur Berliner Wohnungskrise – Foto: Thomas Aurin

Den Puls von Metropolen hat Constanza Macras schon öfter in ihren Stücken pochen lassen. In ihrem neuesten Bühnencoup nimmt sich die argentinische Choreografin, die seit 1995 an der Spree lebt, eines so hiesigen wie heißen Themas an: Mietnotstand und Gentrifizierung in Berlin. Macras wäre nicht Macras, wenn daraus keine kühne Melange an Einfällen und Stilmitteln wachsen würde.

Und so spannt „Der Palast“ einen ähnlich diversen Kosmos auf, wie die Stadt ihn selbst zu bieten hat. Gerade noch haben die Berlin-­Motive des preisgekrönten britischen Fotografen Tom Hunter auf die Netzhaut gewirkt, da stürmt das zehnköpfige Ensemble auch schon weiter durch den Plot, der Verdrängungsängste und Unbehaustheit mal bitterernst, mal urkomisch in Szene setzt.

Als Sinnbild kultureller Verflachung hat sich Macras das stets gleich gestrickte Format von Reality-­TV-Shows herausgepickt. Wenn die Truppe im zweiten Teil ein Tanzcasting mit Juroren grotesk nachstellt, entsteht zwar eine herrlich schillernde Zwischenzone von Fiktion und Realität. Im parodistischen Rundumschlag wirkt der Bezug zum Berliner Wohnungsmarkt dann aber doch zunehmend konstruiert.

Was in dem fast dreistündigen Stück zur Live-Musik von Robert Lippok über die Rampe der Volksbühne wogt, schafft dennoch in vielen Momenten beides zu sein: bildstarkes Spektakel und feinnervige Bestandsaufnahme. ANNETT JENSCH

14.4., 20 Uhr, Volksbühne, Rosa-Luxemburg.Platz, Mitte. Choroegrafie: Constanza Macras; mit Anne Ratte-Polle u.a., Eintritt 10–30 €