Bühne

Der Plan von der Abschaffung des Dunkel

Schon Pink Floyd quittierte ein Schulsystem, das alle in ein Schema F zwingt, mit dem Ruf „We don’t need no education“. Das Junge DT geht da bei seiner Romanadaption differenzierter zu Werke

Die Schule als Erziehungsanstalt: Kya-Celina Barucki, Jona Gaensslen, Leo Domogalski, Jona Levin Nicolai, Paul Kutzner, Christian Grygoryev, Leni von der Waydbrink, Mustafa Eren Özdilberler, Rio Reisener, Kerem Aliser Topuz, Ida Agnes Büter und Elektra Luise Breinl – Foto: Arno Declair

Die Regisseurin Nora Schlocker hat bereits einige fabelhafte Abende wie „Alice“ oder „Auerhaus“ für das Junge DT inszeniert. Mit einem Ensemble aus 15 Jugendlichen zwischen 12 und 22 Jahren hat sie sich nun Peter Høegs autobiografisch geprägten Roman „Der Plan von der Abschaffung des Dunkels“ vorgenommen.

Er erzählt aus der Perspektive des 14-jährigen Peter, der als sogenannter Schwererziehbarer im Privatinternat von Direktor Biel landet und gemeinsam mit seiner Mitschülerin Katharina und dem verhaltensgestörten August ein ausgeklügeltes Normierungssystem hinter dem ­rigide verfolgten Tagesablauf des Internats entdeckt.

Die Inszenierung versucht gar nicht erst, den retrospektiven Blick auf ein Schulsystem der 1960er-Jahre ins Heute zu versetzen, auch die schuluniform­artigen Kostüme verweisen in ein strenges Gestern. Das provoziert eine mitunter anstrengende Distanz, schärft aber auch das Gefühl für die eigentliche Hauptperson, die Zeit, den „Augenblicken, die werden wie die Ewigkeit“, wie es Peter beschreibt.

Das zweigeteilte Bühnenbild reflektiert das perfide Überwachungssystem mit seinen transparenten Spiegeln. Der Lehrer erscheint mit Maske als austauschbarer Disziplinierungsgehilfe eines Systems, das nichts mehr fürchtet als die abweichende Individualität und Solidarität der Schüler, denen das Ensemble hier eine sehr frische Gestalt gibt. FRIEDHELM TEICKE

13. + 21.3., 19.30 Uhr, Deutsches Theater – Kammerspiele, Schumannstr. 13a, ­Mitte. ­Regie: Nora Schlocker; mit Kya-Celina ­Barucki, Ida Agnes Büter u.a., Eintritt 14–19, erm. 9 €