Kino

Der Prinz und der Dybbuk

Was vom Titel her nach einem jüdischen Märchenfilm klingt, erweist sich als Essay-Dokumentarfilm über einen Filmschaffenden, dessen Namen heute in einer breiteren Öffentlichkeit kaum mehr jemand kennt. Dabei war Michał Waszyński in den 1930er-Jahren der profilierteste Filmregisseur Polens: Er drehte fast 40 Filme in zehn Jahren, darunter auch die Verfilmung des bekannten Theaterstücks „Der Dybbuk” (1937), weltweit einer der wenigen in jiddischer Sprache gedrehten Filme.

Der Prinz und der Dybbuk
Der Prinz und der Dybbuk
Foto: Salzgeber

Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb Waszyński in Italien, wohin es ihn mit der polnischen Exil-Armee verschlagen hatte, und wurde ein – als „der Prinz” bekannter – Filmproduzent, der mit großen Firmen aus Hollywood arbeitete, wenn diese in Europa drehten.

Es ist ein spannendes und auch ein wenig trauriges Leben, das die Regisseure Elwira Niewiera und Piotr Rosolowski hier Schritt für Schritt aufblättern. Denn Waszyński war kein Prinz: Eigentlich hieß er Mosche Waks, war vom jüdischen Glauben zum Katholizismus konvertiert und blieb aufgrund seiner Homosexualität, die er in jenen Tagen nicht offen ausleben konnte, wohl ein einsamer Mann. Das Problem des Films ist allerdings eine – immer wieder ad absurdum geführte – Geheimniskrämerei, die Waszyński zu einer geradezu mystischen Figur stilisieren soll: der Verkörperung eines Dybbuk, also eines von einem Geist besessenen Menschen. Etwas profaner ausgedrückt: Ein Mann, der immer wieder von einer schweren Vergangenheit und seinen unerfüllten Wünschen eingeholt wurde und sich in eine Fantasiewelt imaginierte. Das hätte es auch getan.

The Prince and the Dybbuk, PL/D 2017, 82 Min., R: Elwira Niewiera und Piotr Rosolowski, Start: 7.6.

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