Bühne

Der Reservist

Lohnarbeit bestimmt unser Leben. Aber was, wenn da einer aus der Logik kapitalistischer Wertschöpfung aussteigt

Stille Reserve: Thorsten Hierse als der Arbeitslose – Foto: Dorothea Tuch

Ein spannendes Stück, zugleich Satire wie Kritik am Kapitalismus: Das Drama des französischsprachigen Autors Thomas ­Depryck, 2016 beim Heidelberger Stückemarkt ausgezeichnet, zeigt eine ­Figur, die ins Räderwerk eines Geldsystems gerät, das Arbeitslosigkeit schafft, aber nicht duldet. Das Stück zerlegt die herrschende Rhetorik von der Chancengleichheit.

Der Arbeitslose (DT-Ensemblemitglied Thorsten Hierse) wird zum aussichtslosen Don Quijote, der von sich sagt, „nachdem es wirklich nichts für mich gibt, gehöre ich eben zur Reserve“ – wie beim Militär, zur Reserve verfügbarer Arbeitskraft. Er streitet mit dem Beamten der Arbeitsagentur, säuft, sitzt vor dem Fernseher und gerät in paranoide Zustände. Der Reservist wird zum Totalverweigerer.

In Suzanne Emonds Inszenierung ist der Druck, der auf die Betroffenen ausgeübt wird, mitunter erahnbar. Kalt sachlich der Sprechduktus des Herrn von der Arbeitsagentur, der das Unterstützungsgeld sperrt. Auch szenisch überzeugend, wenn der Reservist wie ein Hampelmann agiert. Doch das verdienstvolle Unternehmen, das Elend der Arbeitslosen zu thematisieren, will dann doch zu viel Kunst statt Drama. Da hilft auch nicht die ­hervorragende musikalische Untermalung durch den Gitar­risten Tobias Vethake. AXEL SCHALK

23.+24.3., 20 Uhr, Theater unterm Dach, Danziger Str. 101, Prenzlauer Berg. Regie: Suzanne Emond; mit Thorsten Hierse, Helge Gutbrod, Carla Weingarten, Tobias Vethake. Eintritt 12, erm. 8 €