Kino

Der seidene Faden

Schon immer hat sich Regisseur Paul Thomas Ander­son für die inneren Dämonen seiner Protagonisten interessiert, in „Magno­lia“ ebenso wie in „The Master“ und vor allem in „Let There Be Blood“. Erneut ist es Daniel Day-Lewis, der Andersons Visionen hier eine Gestalt gibt.
London 1955. Ob Adelige, Alt- oder Neureiche – alle Damen wollen ein Kleid von Reynolds Woodcock (Oscar-Nominierung für Day-Lewis).

Der seidene Faden
Foto: Focus Features LLC_Laurie Sparham Focus

Der entwirft exklusive Gewänder im klassischen Stil, und auch sonst ist seine Weltsicht eher „klassisch“. Gemeinsam mit seiner herben Schwester Cyril (Oscar-Nominierung für Lesley Manville) regiert er eine Gruppe Näherinnen, die seine Entwürfe umsetzen. In den nach einem strengen Rhythmus geordneten Alltag kommt Bewegung, als Woodcock die Kellnerin Alma (Vicky Krieps) kennenlernt. Doch die selbstbewusste, deutlich jüngere Frau ist nicht bereit, sich den Woodcockschen Gesetzen unterzuordnen – und handelt.

Gemächlich entwirft Writer/Director ­Anderson das Porträt eines ­eigensinnigen Createurs, dem sein ganzes Umfeld untertan ist und der dies für selbstverständlich hält. Für die von Woodcock ­auserkorene Maid zeigt Anderson kaum Interesse, der Standesunterschied scheint als ­Gegenpol zu Woodcock zu genügen. So darf sich der Zuschauer trotz einer gediegenen ­Inszenierung mit guten Schauspielern auch langweilen. 

„Phantom Thread“, USA 2017, 128 Min., R: Paul Thomas Anderson, D: Daniel Day-­Lewis, Vicky Krieps, Lesley Manville

https://www.zitty.de/event/drama/der-seidene-faden/

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