Die 3,89-Milliarden-Groschenoper

Der Bauskandal um die Staatsoper

Es hieß, die Berliner Staatsoper sei billig zu haben. Dann machte ihr Förderverein sie zur Weltklassespielstätte. Jetzt kommt das verkaterte Erwachen
Text: Martin Schwarzbeck

Die Staatsoper Unter den Linden hat schon glorreichere Zeiten gesehen. Wo früher die Bühne war, ragt ein Plateau aus Planken in den entkernten Innenraum, in eine Matrix aus Baugerüst. Ringsherum geht es zehn Meter in schwarze Tiefe. Fragmente goldfarbener Stuckelemente hängen von der fast 30 Meter hohen Decke des Zuschauerraums, ein Lüfter klappert, Baustrahler erhellen die Szenerie.

Große Pläne für die StaatsoperFoto: Andreas Schöttke
Große Pläne für die Staatsoper
Foto: Andreas Schöttke

Die Staatsoper Unter den Linden ist eine Problembaustelle. Die Bauzeit hat sich mehr als verdoppelt, die Kosten für Berlin haben sich von 9 Millionen Euro auf 194 Millionen verzwanzigfacht. Dass der Bau nicht so günstig wird, wie behauptet, war beim ersten Spatenstich klar. Man kann die Geschichte so lesen: Freunde der Oper lassen sich ihr Haus zu einer Spielstätte von Weltrang aufrüsten, der Senat vertuscht den Preis, die Rechnung zahlt das Land Berlin.

Gerade wurde ein Untersuchungsausschuss dazu eingesetzt, er soll nach Ostern seine Arbeit aufnehmen und sie 2016 abschließen, pünktlich zur Abgeordnetenhauswahl im Herbst. Sie könnte Politiker in Schwierigkeiten bringen. Denn schon jetzt ist klar: Berlin hat einen neuen Bauskandal. Und sowohl der ehemalige, als auch der aktuelle Bürgermeister sind darin verstrickt.

Preußenkönig Friedrich II. ließ mit der Staatsoper von 1741 an seinen ersten Prachtbau errichten. Heute, 274 Jahre später, sind weiterhin viele Mächtige ihre Fans: Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zum Beispiel. Ex-Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD), Bahnchef Rüdiger Grube und Verlegerin Friede Springer sitzen im Kuratorium der Freunde und Förderer des Hauses. Der Verein umfasst rund 1.400 Mitglieder und ist ein Treffpunkt der Stadtgesellschaft – für Wirtschaft, Politik und Hochkultur.

2005 beschlossen die Freunde und Förderer unter ihrem Vorsitzenden, Multimillionär Peter Dussmann, die dringend nötige Sanierung anzuschieben, indem sie versprachen, 30 Millionen Euro beizusteuern. Damals ging es nur um das Opernhaus, 80 bis 100 Millionen Euro wurden dafür veranschlagt, rund ein Drittel wollten die Opernfreunde zahlen. Inzwischen wird auch der danebenstehende Gebäudekomplex mit Magazin und Intendanz saniert und ein Verbindungstunnel gebaut.

Heute stehen die offiziellen Kosten der Sanierung bereits bei rund 390 Millionen Euro, der tatsächliche Preis liegt deutlich höher: Die 22,4 Millionen mit denen die Ausweichspielstätte im Schillertheater saniert wurde und die 3,4 Millionen für die neuen Räume des Staatsballetts gehören dazu. Und allein die erste Terminverschiebung bedeutete für die Staatsoper im Schillertheater 4 Millionen Euro Verlust, weil der Saal dort rund ein Fünftel weniger Zuschauer fasst. Dass die Kosten noch weiter steigen, ist fast sicher: An der benachbarten St. Hedwig-Kathedrale zeigten sich Schäden, die wohl der Opern-Bauherr ausgleichen muss. Gerade werden die Kosten ermittelt.

Parallelen zum BER tun sich auf, zur Elbphilharmonie in Hamburg, zum Bahnhof in Stuttgart. Es ist das Muster, das überall erscheint, wo Großprojekte genehmigt werden sollen: Die Kosten werden kleingerechnet, unzureichende Puffer für Rückschläge eingepreist, das Projekt passiert das Parlament und die Öffentlichkeit und sobald der Bau so weit fortgeschritten ist, dass es keinen Weg zurück gibt, vervielfacht sich Schritt für Schritt der Preis.cAm Beispiel der Berliner Staatsoper lässt sich der Vorgang gut nachvollziehen: Die Piratenfraktion hat in Vorbereitung auf den Untersuchungsausschuss bereits einige Antworten bekommen.

Was man jetzt schon weiß

Zierelement: Gehört der Stiftung Oper in Berlin. So wie das ganze Haus. Die Stiftung bekommt bereits den Betrieb der Staatsoper mit 257 Euro pro Ticket bezuschusstFoto: Andreas Schöttke
Zierelement: Gehört der Stiftung Oper in Berlin. So wie das ganze Haus. Die Stiftung bekommt bereits den Betrieb der Staatsoper mit 257 Euro pro Ticket bezuschusst
Foto: Andreas Schöttke

Aus den versprochenen 30 Millionen Euro der Freunde der Staatsoper werden letztlich nur 4,1 Millionen. Ein Drittel wollten die Freunde zahlen, gelandet sind sie bei etwas mehr als einem Prozent. Obwohl Kulturstaatssekretär Tim Renner (SPD) vor kurzem schrieb: “Der Senat zeigte sich stets skeptisch gegenüber den Absichtserklärungen des Vereins”, hat das Versprechen gereicht, um die Sanierungsmaschinerie in Gang zu bringen.

Es ist ein bisschen wie bei Berlins Stadtschloss, wo die Zusage des Fördervereins, Kuppel und Fassade zu finanzieren, das Projekt ins Rollen brachte, doch heute wird klar: Die Spenden werden wohl nicht reichen. Festgelegt wurden auch die Opernfreunde auf ihr Versprechen nie, obwohl es einen internen Vermerk des Senats dazu gab. Dussmann, der sein Wort gegeben hatte, ist inzwischen verstorben.

Die Opernfreunde waren zumindest die ersten, die zahlten. Eine halbe Million Euro für die Analyse der Bausubstanz und die Aufstellung eines Wunschzettels, der Grundlage des darauf folgenden Architekturwettbewerbs des Senats wurde. Die Opernfreunde wollten ihrem Haus etwas gönnen, sie haben die Planung von Anfang an begleitet. Derzeit entstehen eine imposante Kreuzbühne, ein Probenzentrum mit fünf schalldicht isolierten Hallen und dazwischen ein kathedralenartiger Verbindungstunnel auf einer drei-Meter-Betonplatte, durch den komplette Bühnenbilder ins Opernhaus transportiert werden können, mit 10.000 Kilo-Fahrstühlen an den Enden. Die Oper wird eine Spielstätte von Weltformat.

Der Sieger des Architekturwettbewerbs, ein Entwurf mit historischer Fassade und modernem Zuschauersaal, taugte Dussmann, Merkel, und anderen Opernfreunden nicht. Dussmann drohte, die versprochenen 30 Millionen zurückzuziehen, ja eine Bürgerbewegung mobilzumachen. CDU und Teile der Linken sprachen sich ebenfalls gegen die moderne Variante aus. Acht Wochen nach Ende des Wettbewerbs verkündete der Regierende Bürgermeister plötzlich Denkmalschutz für den Saal.

7 Jahre Bau für 0,5 Sekunden Hall

 

StützkonstruktionFoto: Andreas Schöttke
Stützkonstruktion
Foto: Andreas Schöttke

Dabei ist von der Oper nur noch die Front aus dem 18. Jahrhundert erhalten, der Saal war eine Rekonstruktion aus den 50er Jahren und die Rekonstruktion der Rekonstruktion bekommt mit ihrer klangverbessernden Nachhallgalerie sogar ein ganz modernes Element. Die Decke des Zuschauersaals wird extra fünf Meter angehoben dafür, die Nachhallzeit damit – eines der zentralen Anliegen der Opernfreunde – von 1,1 auf 1,6 Sekunden verlängert. Sieben Jahre Bau für eine halbe Sekunde Hall?

Der moderne Entwurf hätte besser geklungen, wäre günstiger gewesen, weil man den Stroh-Putz und die Tierhaar-Gips-Teile aus den 50ern nicht hätte katalogisieren, einlagern und wieder anbringen müssen. Außerdem hätte man, anders als im alten Saal, von jedem Platz gut gesehen. Generalmusikdirektor Daniel Barenboim war für die moderne Variante, des Klangs und der Sicht wegen, bis er plötzlich seine Meinung änderte.

Im Eilverfahren wurde ein neuer Architekt gefunden, das Büro HG Merz. 239 Millionen Euro sollte der Bau immer noch kosten. Dabei hätten die Bauzeit und damit auch der Preis neu berechnet werden müssen, immerhin hat man den Auftrag nun erst fast ein Jahr später vergeben können. Stattdessen hieß es weiter: Eröffnung Oktober 2013. Der Bau startete, bevor die Architekten auch nur die Entwurfsplanung abschließen konnten, vier der neun Planungsstufen wurden parallel betrieben. Durch die verkürzte Prüfung und den überstürzten Baubeginn wurden Probleme in Grund und Gemäuer übersehen. Das führte zu Verzögerungen, die den Preis nach oben trieben, dessen Rahmen durch den geringen Puffer schnell gesprengt wurde. Die Senatsbaudirektorin Regula Lüscher forderte im Bauausschuss des Abgeordnetenhauses in Zukunft realistische Terminszenarien, transparente Kommunikation von Risiken, ausgereifte Planung und sorgfältige Prüfung. Auch Andreas Geisel (SPD), Stadtentwicklungssenator seit Ende 2014, bekannte vor Berlins Parlament: “dass wir zukünftig realistische Terminszenarien entwickeln und Risikovorsorge treffen müssen”

Senatsbaudirektorin Regula Lüscher
Foto: Andreas Schöttke

Unrealistisches Terminszenario, Missachtung von Risiken: Wer hat so viel Druck gemacht? Die parteilose Senatsbaudirektorin Regula Lüscher sitzt im Baustellencontainer, vor dem Fenster dröhnt ein Kran, der Boden vibriert. Lüscher sagt: “Der Druck kam von der Nutzerseite.” Der Nutzer, das sind die Opernfreunde, amtsdeutsch ist es die Oper als Institution. “Man hat befürchtet, dass wenn man dieses Haus länger als drei Jahre verlässt und in den Westen geht, ins Schillertheater, man das Publikum verliert.” Aber die Opernbetreiber und -freunde haben bei der Aufstellung von Terminplan und Kostenrahmen der Sanierung nichts zu sagen, sie müssen einen mächtigen Fürsprecher in der Politik gehabt haben. Ihren obersten Bedarfsträger, den damaligen Kultursenator und Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit?

“Frau Lüscher, wenn man Bausubstanz und -grund nicht ordentlich prüfen kann, muss man doch eigentlich die Zeit- und Kostenpuffer erhöhen, oder?” “Ja, müsste man. Aber der Druck sollte aufrecht erhalten werden.”

Von wem kam diese Ansage? Lüscher schweigt. Sie presst die Lippen zusammen und schüttelt den Kopf. Es gibt nicht viele Kandidaten, die Luft über Lüscher ist dünn.

 

»Ich glaube, dass sich alle  bewusst ­waren, dass man  da Risiken in Kauf nimmt«

Senatsbaudirektorin Regula Lüscher

Die Mitwisser

Diese Geschichte führt nach ganz oben, denn: Hätten die Verantwortlichen nicht zumindest Laut geben müssen, als ihnen klar wurde: Das wird so nicht funktionieren? Der ehemalige Kultursenator und Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und die ehemalige Bausenatorin Ingeborg Junge Reyer, auch der darauf folgende Michael Müller, der den Job bis Ende vergangenen Jahres innehatte und jetzt Bürgermeister und Kultursenator ist – alle SPD – sie müssen von der extrem engen Kalkulation gewusst haben. Den Regierenden Bürgermeister Müller könnte die Immer-noch-nicht-Eröffnung der Staatsoper zur Abgeordnetenhauswahl 2016 ernsthaft in Bedrängnis bringen, die Sanierung war jahrelang sein Projekt. Er übernahm 14 Monate nach dem ersten Spatenstich als Stadtentwicklungssenator die Oberhoheit über den Bau.

Lüscher schreibt in Antwort auf eine kleine Anfrage der Piraten: “Alle Beteiligten waren darüber informiert, dass der Bauablaufplan keine Puffer enthält und alle unvorhergesehenen Ereignisse sich direkt auf den Endtermin auswirken würden.” Im Interview sagt sie: “ich glaube auch, dass sich alle bewusst waren, dass man da Risiken in Kauf nimmt.” Eine Nachfrage der Piraten, wer im Senat wann unterrichtet wurde, ließ der Senat unbeantwortet mit dem Verweis auf “exekutive Eigenverantwortung”. Auf Nachfrage der zitty reagierten Wowereit und Müller nicht. Der Untersuchungsausschuss wird einige Rätsel lösen.

Illustration: HG Merz GmbH

Es hätte auf jeden Fall einen praktischen Grund gegeben, stillzuhalten und die Bauzeit und damit den Preis nicht mehr anzutasten. 239 Millionen Euro ist zufälligerweise recht genau die Summe, bei der das Projekt für Berlin kostenlos zu haben gewesen wäre. Der Bund unter Staatsopernfreundin Angela Merkel hatte inzwischen zugesagt, sich mit 200 Millionen Euro zu beteiligen, als Festpreis, womit er sich geschickt aus der Schlinge zog. Mit dem 30-Millionen-Euro-Versprechen der Freunde und Förderer der Staatsoper blieben zwar alle finanziellen Risiken beim Land, aber dafür sollte das Projekt den Haushalt nur neun Millionen Euro kosten – die hätte Berlin allein über die Umsatzsteuereinnahmen der Bauarbeiten wieder drin gehabt.
Weder Abgeordnetenhaus noch Öffentlichkeit begehrten auf. Ihnen wurde weisgemacht, die neue Oper sei für Berlin quasi umsonst, obwohl der Preis nicht einmal abschätzbar war. Er basierte schließlich immer noch auf dem alten Bedarfsprogramm, ohne Berücksichtigung der Verzögerung durch den Wechsel der Architekten.

Regula Lüscher ist seit März 2007 Senatsbaudirektorin und damit für das Projekt, die Verzögerungen und die Kostenexplosion fast von Anfang an verantwortlich. So lange sie die Verantwortung nicht nach oben oder nach unten weiterreicht. Nach unten geht kaum mehr.

Da gibt es zwar die Senatsverwaltungen für Kultur und für Bau, Controller, Architekten, 250 ausführende Firmen. Aber als Vertreterin des Bauherren agiert Lüscher, die vom Projektsteuerer monatlich und bei besonderen Vorkommnissen unterrichtet wird. Sie berichtet dem Bund und dem Senat. Es wäre natürlich möglich, dass der Projektsteuerer falsche Unterlagen abgeliefert hat, aber der Senat und seine Verwaltungen werden keine Gutachter einschalten und keine Entschädigungsklage anstreben, so Kulturstaatssekretär Tim Renner in Antwort auf eine Piratenanfrage – also muss der Fehler in der Politik zu finden sein.

Alte Probleme im Grund

Anfangs speckt man, wo immer Probleme auftreten, das Projekt scheibchenweise ab, bei der Gebäude-, Bühnen-, und Medientechnik zum Beispiel. Im Oktober 2012, als immer deutlicher wird, dass der Zeit- und Kostenrahmen nicht zu halten ist, trennt sich der Senat “wegen Meinungsverschiedenheiten” vom Projektsteuerer Drees & Sommer. Ein ungewöhnlicher Vorgang, mitten im Bau. Über die Gründe der Vertragsaufhebung wird Stillschweigen vereinbart.

2013, kurz vor dem ersten Wiedereröffnungstermin, wurde bekannt, dass der Preis mindestens 296 Millionen beträgt. Dass die Oper frühestens 2015 eröffnet wird, ist da schon ein Jahr öffentlich. Lüscher sagt: “Das Problem waren nicht das Grundwasser und auch nicht der Sand, sondern alte Verbauungen, bis hin zu Überresten, vermutlich aus der Wallanlage.” Der Wall wacht da schon seit 1237. Lüscher erwähnt auch Pfähle in 17 Metern Tiefe, außerdem hatte man einen Bunker im Grund nicht eingeplant.

Für die Sanierung des Opernhauses hätte man eigentlich nicht viel Erdreich bewegen müssen. Ein großer Teil der inzwischen fast 400 Millionen Euro liegt in dem Tunnel begraben, den sich die Opernfreunde gewünscht hatten und von dem in diesen Dimensionen erst spät die Rede war.

Schlecht geprüft, knapp geplant

Ein vertrauliches Gutachten, das zitty vorliegt und 2007 zur Kostenschätzung des Projekts von einer Firma für Spezialtiefbau erstellt wurde, mahnt, dass bei Arbeiten im Untergrund von einem Risikozuschlag von 30 bis 50 Prozent auszugehen ist. Hermann-Josef Pohlmann von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung bestätigt im Abgeordnetenhaus einen Ansatz für Unvorhergesehenes von insgesamt 10 Prozent. Regula Lüscher sagt ebendort, für Unvorhergesehenes auch nur 15 Prozent anzusetzen, sei seinerzeit nach ihrer Kenntnis nicht möglich gewesen.

Lüscher benennt als weitere Ursache der Verzögerungen die schlechte Bausubstanz. Für deren Prüfung hatten mal die Freunde der Staatsoper gezahlt. Das Dokument ist zitty bisher nicht zugänglich, aber es gibt ein anderes Gutachten von 2007, einen Bericht zur Schadstoffuntersuchung, ebenfalls nicht veröffentlicht und zitty vorliegend. der besagt, dass die Staatsoper voller gesundheitsgefährdender Materialien steckt. Er ist mit zahlreichen Fotos illustriert, die selbst für Laien anschaulich zeigen: Der Bau ist in keinem guten Zustand. Schon 2001 wurde ein Gutachten erstellt, dass die Standsicherheit von Gebäudeteilen gefährdet sieht.

Weiter erwähnt Lüscher die Insolvenz eines Planungspartners und den Denkmalschutz, der auch vorher schon bekannt war. All diese Probleme wären keine gewesen, wenn man nur die Risikoprognose realistisch angesetzt hätte. Im Dezember vergangenen Jahres wird die nächste Kostensteigerung publik. 389 Millionen will man nun insgesamt verbauen, die Oper nicht vor 2017 wiedereröffnen. Die Abgeordneten erfahren davon aus der PresseLüscher entschuldigt sich im Bauausschuss und präsentiert ein paar Zahlen, die kaum Rückschlüsse auf die einzelnen Probleme zulassen. Sie bleiben vage. So wie die Zielsumme. Heute sagt Lüscher: “Die 398 Millionen, das war eine ungeprüfte Prognose von unserer Seite. Je nachdem, wie die Prüfung ausfällt, wird sich diese Zahl bestätigen oder nochmals … etwas verändern”. Ende April, Mai will sie den neuen Preis im Abgeordnetenhaus-Hauptausschuss präsentieren.

Abriss und Neubau der Oper wären wohl weit günstiger gekommen. Sieben Jahre braucht es nun mindestens vom Sanierungsbeginn bis zur Wiedereröffnung. Nach einem Vertrag mit dem Bund ist die Nutzung als Oper danach auf 25 Jahre festgelegt. Lüscher sagte Ende vergangenen Jahres im Bauausschuss: “Die Bausubstanz ist sicher umfassend saniert für die nächsten 50 bis 100 Jahre.” In ihrer ersten Fassung wurde die Oper von 1742 bis 1941 bespielt, also 200 Jahre lang. Erbaut wurde sie in weniger als drei.

 

Die Chronik

28.9.2002: TÜV-Gutachten: Spielbetrieb zu gefährlich. Geht trotzdem weiter

6.05.2002: Förderverein verspricht 30 Mio. Euro um ­Sanierung anzustoßen. Preis ca. 90 Mio. Euro

18.9.2005: Bundestagswahl. Angela Merkel wird Kanzlerin

ca. 15.3.2006: CDU-Abgeordnete betteln beim Bund. Preis: 113 Mio. Euro

18.10.2006: Förderverein gibt 0,5 Mio. Euro für Planung

23.11.2006: Wowereit wird wieder Regierender Bürgermeister, dazu Kultursenator

8.1.2007: Wowereit sperrt sich gegen Sanierung. Sieht „große Unsicherheiten“ beim Preis

22.5.2007: Der Senat stellt dennoch 50 Mio. Euro frei. Ab 2010, erst soll der Bund zahlen

2.7.2007: Es gibt Ideen, die Staatsoper dem Bund zu überlassen

1.3.2007: Regula Lüscher wird Senatsbaudirektorin

7.11.2007: Der Plan des Fördervereins wird eingereicht. Kosten: 239,3 Mio. Euro

15.5.2008: Sieger Architekturwettbewerb: Klaus Roth, mit modernem Saal in alter Fassade

10.7.2008: CDU und Teile der Linken sprechen sich für Rekonstruktion aus

11.6.2008: CDU und Teile der Linken sprechen sich für Rekonstruktion aus

10.7.2008: Eil-Wettbewerb: Architekt zur Saalrekonstruktion gesucht

3.09. 2008: Architekt HG Merz fast ein Jahr zu spät gefunden – Eröffnungstermin steht

16.7.2009: Beteiligung Bund wird auf 200 Mio. Euro festgeschrieben

14.8.2009: Preis: 244,8 Mio. Euro. 5,8 Mio. an Planung und Technik sparen 239 Mio. Euro

16.11.2009: Peter Dussmann ist nicht mehr Chef des Fördervereins, Zusage über 30 Mio. Euro gilt nicht mehr

22.6.2010: Preis: 259,8 Mio. Euro. 20,5 Mio. sparen + 3 Mio. vom Freundeskreis 239 Mio. Euro

19.9.2010: Die Staatsoper zieht ins Schiller Theater

22.9.2010: Erster Spatenstich

5.112009: Lüscher verkündet Preis- und Terminschwierigkeiten

18.9.2011: Abgeordnetenhauswahl: Rot-Schwarz statt Rot-Rot

1.12.2011: Michael Müller wird Senator für Stadtentwicklung

5.12.2011: Neuer Eröffnungstermin: 3.10.15 Grund: Holz im Boden

31.10.12: Senat trennt sich wegen Meinungsverschiedenheiten vom Projektsteuerer

17.1.2013: Müller: 2015 wird wohl nix

3.5.2013: Baukosten über Plan: 296 Mio. Euro

3.10.2013: Ex-Eröffnungstermin

3.12.2014: Baukosten über Plan: 389 Mio. Euro, neuer Termin: 3.10.17

3.10.15: Ex-Eröffnungstermin