Kino

Der Spitzenkandidat

Foto: Sony Pictures

Die Presse hatte bis dahin geschwiegen, wenn es um das Privatleben hochrangiger Politiker ging. Doch jetzt entdeckten die Medien, dass so etwas durchaus Aufmerksamkeit heischend und verkaufsfördernd war. Lag es daran, dass Hart jemand war, der selber hohe moralische Ansprüche hatte? Dass er darauf beharrte, sein Privatleben hätte nichts mit seiner politischen Linie zu tun? Oder wurde ihm vielleicht die Affäre von Seiten des politischen Gegners angedichtet? – entsprechende Informationen sickerten parallel zum US-Start des Films durch.

Jason Reitman („Thank You For Smoking“, „Up in the Air“) hat den Film, basierend auf einem 2014 erschienenen Sachbuch, in einem semidokumentarischen Stil gedreht, mit einer beweglichen Kamera, die sich an die Fersen der Protagonisten heftet, die letzten drei Wochen vor Harts Rücktritt von der Kandidatur protokollierend. Dabei geht es ihm um die Mechanismen, wie Politik gemacht wird, wie Geschichten entstehen und wie mit Geschichten Politik gemacht wird.

Mit Hugh Jackman hat der Film einen Darsteller, der das Charisma Harts auf die Leinwand überträgt, das Gezeigte funktioniert aber gleichzeitig als Ensemblefilm, der auch den anderen Figuren ein gewisses Profil verleiht – wobei fast alle von ihnen als Getriebene erscheinen, als Rädchen in einem Mechanismus, den sie zu steuern versuchen, der sich aber verselbständigt.

Am Ende entscheidet sich Hart gegen die Politik und für seine Familie, ob er tatsächlich eine Affäre mit Donna Rice hatte, bleibt offen. Der Film ist ein erhellendes Lehrstück geworden, das den Zuschauer auch darüber spekulieren lässt, ob die Weltgeschichte ein wenig anders verlaufen wäre, wenn statt (des kürzlich verstorbenen) George Bush Gary Hart der 41. Präsident der USA geworden wäre. Frank Arnold

Der Spitzenkandidat USA 2018, 113 Minuten, R: Jason Reitman, D: Hugh Jackman, Vera Farmiga, J.K. Simmons, Alfred Molina, Start: 17.1.

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