KLASSIKER

Der Sturm

Das Gefangenenensemble aufBruch in der JVA Tegel glänzt mit Shake­speares Spätwerk

Die JVA als Prosperos Insel: Gestrandete Männer – Foto: Thomas Aurin

Die Dramaturgie dieser Inszenierung besticht. Shakespeares komplexes Drama über den Kampf um und die Mechanismen der Macht wird auf die Themen Kolonialismus und Isolation zugespitzt. Der gestürzte Herzog Prospero und Tochter Miranda, aufs Meer ausgesetzt, retten sich auf eine einsame Insel und unterwerfen die Eingeborenen. „Der Sturm“ ist hier ein harter Abgesang auf den Humanismus und zeigt den ewigen Kampf von Herren und Knechten, der keinen Sieger kennt.

Das Drama wird in Peter Atanassows zweiter Shakespeare-Inszenierung mit Inhaftierten geradezu körperlich erfahrbar. Wir folgen dem Ensemble auf den engen Gefängnisgalerien von Raum zu Raum. Mal spielen sie vor uns, mal über uns, mal unter uns. Theater wird zum räumlichen Erlebnis, der Zuschauer ist in einer unheimlichen Welt von Eingeschlossenen und auch Revoltierenden.

Einer der vielen Höhepunkt dieser bildkräftigen Inszenierung, die zeigt, was Menschen einander antun können, ist zweifellos, wenn das starke ­Ensemble Brechts Soldatenlied aus der „Dreigroschenoper“ intoniert, und dabei langsam – wenn nicht bedrohlich – auf das am Ende des langen Zellentrakts ­stehende Pub­likum zugeht. Diese Inszenierung ist die stärkste, auch darstellerisch, die ich von aufBruch bislang gesehen habe. ­Bravo! AXEL SCHALK

13.–15.3., 20.–22.3., 17.30 Uhr, Einlass bis 17 Uhr, JVA Tegel, Seidelstr. 39, Tegel. Regie: Peter Atanassow; mit Alex, Boyo, Chris-Bär Templiner, Dembele, Jürgen, Karim u.a., Eintritt 15, erm. 10 € (Tickets über Volksbühne, Kartentelefon: 240 65 777)