Redeschwall-Dramatik

Der Tempelherr

Viele Worte um nichts macht Ferdinand Schmalz in seinem Drama um Städter, denen der Traum vom Häuschen auf dem Land zerplatzt.

Ab aufs Land: Natali Seelig, Edgar Eckert, Linn Reusse, Bernd Moss – Foto: Arno Declair

Irgendwo hinter den sieben Bergen bei den Schreibwerkstatt-Zwergen muss es eine Fabrik geben, wo in ­Serie ­Dramen gestanzt werden, die wenig zu sagen ­haben, aber dennoch nicht mit Worten geizen. Im Kern bieten sie Erzähltext, also Episches, in dem Figuren nur mehr indirekt anzitiert werden, in dem es an Dialogen und Szenen mangelt. Schauspieler kommen mit diesen Texten nicht wirklich ins Spielen, sondern stemmen sie reihum tapfer zur Rampe. Als Verlautbarungsknechte.

Ein Protagonist dieses neuen Schreibens ist Ferdinand Schmalz. In „Der Tempelherr“ lässt er Städter aufs Land ziehen, um ein „neues Glück“ zu bauen. Aber einer, der Heinar, wird wunderlich und baut lieber Tempel als das Häusle. „Tempel aus den Ruinen dieses Kontinents“ heißt es, damit wir die Allegorie (auf eine erhoffte neue europäische Gemeinschaft) auch nicht verpassen. In notorisch krampfiger Wortumstellung-Diktion – „Denk scharf mal nach“ – rauscht ­Schmalz’ Stück manieriert daher.

Die Schauspieler in der Regie von Philipp Arnold geben angemessen Tempo, wirken austauschbar und runzeln verblüfft die Stirn, als sie eines der wenigen Bonmots dieses nach Bonmots so sehr gierenden Textes bergen: „Er sieht den Wald vor lauter Säulen nicht.“ Oha. CHRISTIAN RAKOW

20.3., 19.30 Uhr, Deutsches Theater Kammerspiele, Schumannstr. 13a, Mitte. Regie: Philipp Arnold; mit Natali Seelig, Bernd Moss, Linn Reusse u.a., Eintritt 23–30, erm. 9 €