Die bissigsten Haie im Becken

Der Trickser Klaus Breckner

Sein „Horror-Haus“ in Schöneberg wurde in ganz Deutschland berühmt – als Beispiel für eine besonders zynische Strategie der Entmietung. Mit der Vermietung an Roma-­Familien trieb er einen Keil in die Hausgemeinschaft

Das Haus, das Klaus Breckner reihenweise Negativ-Schlagzeilen eingebracht hat, sieht von außen ganz hübsch aus. Doch hinter der Stuckfassade herrschten bis vor kurzem Zustände wie in einem Slum: Fäkalien bedeckten das Treppenhaus, Müllberge türmten sich im Innenhof. Dazu beeindruckten das Gebäude und seine Nachbarschaft mit einer Kriminalitätsrate auf Mexiko-City-Niveau. Innerhalb eines Dreivierteljahrs kam es zu knapp 200 Polizeieinsätzen. Die Boulevardzeitungen hatten schnell einen angsteinflößenden Namen für die Immobilie an einer sonst gediegenen Schöneberger Straße parat. Sie nannten sie „Horror-Haus“.

Klaus Breckner ist ein Geschäftsführer der G87 GmbH, die als Eigentümerin der Immobilie eingetragen ist. Der Hausherr wird wegen einer besonders zynischen Strategie der Entmietung in die jüngere Gentrifizierungs-Geschichte eingehen. Falls die Vorwürfe der Mieter stimmen. Demnach hat Breckner den sozialen Niedergang selbst choreografiert. Was war passiert? Im vergangenen Herbst wurden plötzlich scharenweise Roma-Familien einquartiert, auf engstem Raum. Zwischenzeitlich lebten 200 Menschen unter einem Dach. Eine Überforderung für die fragile Hausgemeinschaft, die zwangsläufig zu einer Eskalation führen musste. „Er wollte das Haus leer haben“, schimpft eine Mieterin, Mitte 50, die „Mutter Zivilcourage“ von Nachbarn genannt wird, ihrer aufrichtigen Worte wegen.

Kommt ein High-End-Haus?

Erst in den letzten Wochen ist Breckner, zurechtgestutzt von scharfen Medienberichten, zur Besinnung gekommen. Er bestellte Putzkolonnen und Security-Leute. Seither hat sich die Lage in dem Gebäude halbwegs beruhigt. Die meisten Roma-Familien sind wieder ausgezogen.

Zuletzt wurde bekannt, dass Breckner das Haus modernisieren will. Die Immobilie, von Breckners Firma 2012 gekauft, ist eine der letzten räudigen Altbauten in einer ansonsten bürgerlich herausgeputzten Gegend – das verspricht Entwicklungspotenzial. Wird aus dem Horror-Haus jetzt ein High-End-Haus? Es wär interessant gewesen, mit Breckner über die Auswirkungen der Modernisierungen auf die Mietpreise zu reden. Für ein Gespräch war er aber nicht zu erreichen.

Bislang hat er bloß Spiegel-TV ein Interview gegeben. Dort sieht man einen braun gebrannten Mittvierziger, der in Lederjacke auf dem Bürgersteig steht und schüchtern lächelt. Über seine Immobilie sagt er : „Die Presse bauscht das auf.“

Im Osten der Stadt braut sich schon das nächste Unheil zusammen. In der Kollwitzstraße in Prenzlauzer Berg hat eine GmbH, die von Breckner geführt wird, ein markantes Eckhaus gekauft. Denkmalgeschützt, von Weinpflanzen umrankt. Im Erdgeschoss residiert eine der ältesten Berliner Kneipen. Die Mieter, größtenteils Prenzlauer-Berg-Intellektuelle, klagen über kleine Nadelstiche: Klingeln sind kaputt, Flure verdreckt, Mülltonnen abhanden gekommen. Zwischenzeitlich wurden Wohnungen inseriert, gelistet war in einem Fall ein Verkaufspreis von 480.200 Euro für 87,31 Quadratmeter. Doch die Annoncen haben sich schnell als Psycho-Spielchen entpuppt. Das Haus befindet sich in einem Milieuschutzgebiet, wo normalerweise keine Miet- in Eigentumswohnungen verwandelt werden dürfen.

Hinter den Türen hat sich Verunsicherung breit gemacht. „Wir befürchten weitere Schikanen, mit denen man uns vertreiben will“, sagt Thomas Wolf, ein Kunstlehrer aus Stuttgart, der hier mit seiner Familie wohnt. In einem Blog machen die Mieter ihren Frust öffentlich.

Illustration: Roland Brückner