Euch das Ufer, uns die Spree

Der Tüftler und Katharina

Andreas hat seinen umweltfreundlichen High-End-Katamaran selbst gebaut

Andrea und KatharinaFoto: Lena Ganssmann
Andrea und Katharina
Foto: Lena Ganssmann

Lautlos schiebt der Elektromotor Katamaran Katharina auf eine grüne Lache auf dem Kanaldreieck zu. Schleim bedeckt das Wasser, dazwischen Mülltüten, Styropor-Reste und eine rote Weihnachtsbaumkugel. Andreas, 52, grauer Bürstenhaarschnitt, beige Kleidung, lebhafte Augen, schaut angewidert in die Tiefe. „Das oben ist nicht alles, der Müll schwimmt hier in mehreren Schichten rum“, sagt er. Andreas hat sich vorgenommen, dagegen anzugehen. Zuletzt hat er, nur mit Handschuhen und einem Müllsack bewaffnet, einen Teil des Abfalls aus dem Kanal gefischt. Bald will er die Berge fotografieren und die Fotos mit Infotexten dazu an sein Boot pinnen, und so auf die Verschmutzung der Gewässer aufmerksam machen.

Umweltschutz ist seine Berufung, also eigentlich seine zweite Berufung, die andere ist: Tüfteln und handwerken. Auf der Katharina kommt beides zusammen. Das Boot ist ohne umweltschädliche Stoffe konstruiert, es wird mit Solarenergie betrieben, ist so leise, dass D. damit neben Bibern herschwimmen kann, und: Es ist bis auf die letzte Schraube selbst entworfen und gebaut.

Der gebürtige Neuköllner hat die Einzelteile in seinem Kellerverschlag aus Holz, Styropor und Teichfolie konstruiert und in einer Garage zusammengeschraubt, seit 2008 arbeitet er an der Katharina. Das Boot in der aktuellen Version wurde vor sechs Wochen das erste Mal zu Wasser gelassen. Die 5 mal 2,5 Meter große Plattform fährt bis zu 8 Kilometer die Stunde und kann fast auf der Stelle wenden. Sie wiegt ohne Solarpaneele, Batterien und Motor gerade einmal 150 Kilo. Materialkosten: 1.000 Euro. Arbeitsaufwand: unüberschaubar. „Ich war oft kurz vor dem Resignieren“, sagt Andreas. Ein Patent hat er auf seine Konstruktion nicht angemeldet. „Ich will doch, dass die Leute das nachbauen, ich helfe sogar“, sagt er.

Das superleise Boot vertreibt nicht einmal die Biber

KatharinaFoto: Lena Ganssmann
Katharina
Foto: Lena Ganssmann

Kurz nach der Wende ist Andreas’ Frau gestorben, im Jahr danach hat er ein Kanu gekauft. Der nun alleinerziehende Vater wollte seinen Kindern die Welt rund um Berlin zeigen, auch vom Wasser aus. Doch die Kinder fanden Paddeln doof. „Ich dachte mir, wie kann ich denen die Freude erhalten – umweltfreundlich? Da habe ich angefangen, mich mit Solartechnik zu beschäftigen.“ Mit seinem Solarkanu ist Andreas inzwischen sogar schon Rennen mitgefahren – und regelmäßig Letzter geworden. „Der Weg ist das Ziel“, sagt er.

Am Solarkanu bastelt er heute noch herum, und auch die Katharina schwimmt zwar, aber soll noch um ein „fettes Soundsystem“ erweitert werden. „Ich will zeigen, was Solar kann“, sagt der Hi-Fi-Experte. Gleichzeitig plant Andreas schon das nächste Boot, es soll noch leichter werden und schneller zerlegbar für die Winter in der Garage.

Viele Passanten fragen nach, ob man das Gefährt mieten kann. „Ich sage dann: Nein, aber Sie können gerne eine Runde mitfahren. Bisher wollte noch keiner.“ Andreas sieht traurig aus, wenn er das sagt. Er will doch seine Botschaft in die Welt tragen. Leicht wird es ihm nicht gemacht. Die erste Version der Katharina ist mutwilliger Zerstörung zum Opfer gefallen, und vor Kurzem wurde die Spezialbatterie geklaut. Den Motor nimmt Andreas seitdem immer auf dem Rad mit nach Hause. Martin Schwarzbeck