VOLKSTHEATER

Der Zerbrochene Krug

Sommertheater als Indoor-Variante: Die Hexenkessel-Truppe heißt jetzt Hexenberg

Eine Wonne: Carsta Zimmermann als Dorfrichter Adam – Foto: KIKE Photography
Eine Wonne: Carsta Zimmermann als Dorfrichter Adam – Foto: KIKE Photography
ZITTY-Bewertung: 3/5
ZITTY-Bewertung: 3/5

Kein Shakespeare, kein Molière, keine italienische Commedia – die Autoren, die den Hexenkessel in den letzten 20 Jahren zur Marke in Sachen Premium-Bratwursttheater machten, dürfen beim Umzug von draußen nach drinnen nicht den Auftakt machen. Nach einem erfolgreichen Winter mit den bewährten Grimm-Märchen brechen die zum Hexenberg umbenannten Erzkomödianten im Pfefferberg-Theater zu neuen Ufern auf: mit Kleist.

Die Geschichte vom Dorfrichter Adam, der über eine Tat urteilen muss, die er selbst begangen hat, eignet sich durchaus für einen deftigen Zugriff. Es ist eine Wonne, Carsta Zimmermann dabei zuzusehen, wie sie als klumpfüßiger Glatzkopf die Wahrheit mit allen Mitteln zu verdrehen versucht.

Aber Kleist bleibt Kleist. Was Stückbearbeiter und Regisseur Jan Zimmermann sonst mit pfiffig auf den Punkt gebrachten Übersetzungen gelang, muss hier mit Textkürzungen klappen. Die sind angemessen radikal und werden ausgeglichen durch manchmal etwas arg sprachlose Slapstick-Einschübe. In Momenten, wo die Mischung stimmt, kann man sich über die korrekte Aussprache von Städtenamen beeumeln oder einer Kaskade über schwarze Kassen, die in einer „Antragsbeschleunigungskollekte“ gipfelt, verborgen in einem glitzernden Sparschwein. So funktioniert Dorfjustiz. GERD HARTMANN

14.-16., 19.+20.4., 19.30 Uhr, 17.4., 17 Uhr, Hexenberg im Pfefferberg, Schönhauser Allee 176, Prenzlauer Berg. Regie: Jan Zimmermann; mit Carsta Zimmermann, Vlad Chiriac, Andreas Köhler. Eintritt 14-18, erm.  13-16 €