Kino

Detroit

Mit ihrem Drama nimmt sich die US-­Regisseurin Kathryn Bigelow einer ­wahren Begebenheit von 1967 an. Im Zentrum: Eine Polizeirazzia in einem nicht lizensierten Nachtclub in einem von Schwarzen bewohnten Stadtviertel Detroits führt zu Protesten der Bewohner, die in Gewalt und Plünderungen ausarten. Die Nationalgarde wird herbeigerufen, bald herrscht geradezu Kriegszustand.

Manchmal kann nicht einmal der Soul einen schützen
Foto: Concorde Filmverleih GmbH

Vor diesem Hintergrund führt Drehbuchautor Mark Boal, der bereits Bigelows ­Filme „Zero Dark Thirty“ und „The Hurt Locker“ geschrieben hatte, drei Hauptfiguren ein: Der rassistische weiße Polizist Philip Krauss (Will Poulter) erschießt einen unbewaffneten Lebensmittel-Plünderer. Er wird wieder auf die Straße zurückgeschickt. Krauss hat gelernt: Wenn er in Zukunft ­unbewaffnete Menschen erschießt, bringt er die gefälsch­ten Beweismittel gleich ­selber mit. Der schwarze Wachmann Melvin Dismukes (John Boyega) hingegen ist das Gegenteil von Krauss: ein braver Mann mit geradezu ­naivem Glauben an Recht, Gesetz und Deeskalation. Den Soulsänger Larry Reed (Algee Smith) interessiert hingegen nur ­seine ­Musik.

Im Hotel kommt alsbald jemand auf die nicht sehr kluge Idee, der in der Nachbarschaft anrückenden Polizei seine Verachtung mit einigen Schüssen aus einer Signal­pistole zu zeigen.

Die Ereignisse der vom Rassisten Krauss ­angeführten Razzia stehen im Mittelpunkt von „Detroit“: Hier gehen Bigelow und ­Kameramann Barry Ackroyd per Handkamera ganz nah ran an die extrem ungemütlichen Misshandlungen und Scheinhinrichtungen, mit denen die Polizisten die Identität des vermeintlichen Scharfschützen herauspressen wollen.

Doch Bigelow, die sich als Thriller-Regisseurin einen Namen gemacht hat, ist eine viel zu intelligente Regisseurin, um es beim Ekel über rassistische Brutalitäten zu belassen. Und so zeigt die eskalierende ­Situation im Algiers-Motel ebenso die geradezu handgreifliche Angst von Menschen in Extremsituationen, die gefährlichen Dynamiken von Gruppenzwang und das bewusste Wegschauen von Menschen, die es hätten besser wissen müssen.Lars Penning

USA 2017, 143 Min., R: Kathryn Bigelow,  D: Will Poulter, Algee Smith, John Boyega, Jacob Latimore

Detroit (2017)

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