Berliner Museen

Deutscher Kolonialismus

Das Deutsche Historische Museum leistet Pionierarbeit: mit einer Ausstellung zur deutschen Kolonialgeschichte, die auch Kunst zeigt

Zweierlei ist zu würdigen: Ausgerechnet das umstrittene Deutsche Historische Museum, dem im Sommer vorübergehend der Direktor abhanden kam, zeigt die erste Großausstellung im Land zur deutschen Kolonialgeschichte, gemeinsam erarbeitet mit den Kuratoren Memory Biwa, Namibia, und Flower Manase Msuya, Tansania. Mit rund 500 Exponaten erhellt sie genauso Grundzüge des Kolonialismus wie kaum diskutierte Unterkapitel, etwa den Boom, den die ­Kolonialisierung Industrie, Handel und nicht zuletzt Museen bescherte. Oder die Hauswirtschaftsschulen, die noch nach 1918 Frauen aus Deutschland auf ein Leben in Afrika vorbereiten sollten.

Tropenhelm für Reichsbeamte, um 1900 © Deutsches Historisches Museum

Wie gegensätzlich die Wahrnehmung der  Besatzung in Norden und Süden war und ist, zeigen Kunstwerke mit ihren verstärkten Perspektiven. Während Themistokles von Eckenbrecher 1896 aufständische Schwarze malte, als flüchteten sie vor den weißen Soldaten wie Tiere ins Unterholz, zeichnet Amani Abeid 2015 den Heiler Kinjikitile Ngwale im Stil von Heldencomics als Protagonisten der Maji-Maji-Aufstände in „Deutsch-Ostafrika“.
Die Schau streift auch die Unbhängigkeitsbewegungen und das heutige Verhältnis von Nord und Süd. Hier leistet sie jedoch nur rudimentären Nachhilfeunterricht, den auch die Abendvorträge mit ihren europäischen Referenten auf kein transkontinentales Niveau heben.

PS: Das DHM hat inzwischen einen neuen Präsidenten, im November 2016 wurde der Historiker Raphael Gross berufen.

Bis 14.5.: Deutsches Historisches Museum, Unter den Linden 2, Mitte, Mo–So 10–18 Uhr, 8/erm. 4 €, bis 18 J. frei

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