Berlin

Deutscher Kolonialismus

Erstmals thematisiert das Deutsche Historische Museum die Folgen der kaiserlichen Imperialpolitik

Deutscher Kolonialismus in Deutsch-Südwestafrika, Kamerun, Togo, Namibia, Deutsch-Ostafrika, Neuguinea, MarshallInseln, Kiatschou, Mikronesien, West-Samoa
Reichsflagge an einem afrikanischen Speer, 1892 © Deutsches Historisches Museum

Debattenfuror in einem sonst eher braven Haus: Das Deutsche Historische Museum durchleuchtet einen Zivilisationsbruch, der in den Geschichtsbüchern unterrepräsentiert ist, die Kolonialära im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. „Deutscher Kolonialismus“ nennt sich die Bestandsaufnahme selbstbewusst.
Aufgeschlagen wird ein Schwarzbuch der vom Kaiserreich delegierten Gewaltherrschaft in Übersee, untermauert durch Beweise von Nilpferdpeitsche bis Kakao-Exportgut. Heraus kommt ein vorsichtiges Plädoyer für einen geschichtspolitischen Perspektivwechsel – zugunsten afrikanischer Interessen. Ein Statement just in ­einer Zeit, in der die Nachfahren der Opfer aus den früheren Schutzgebieten um Deutungshoheit ringen. Aktuell in Berlin, wo die Umbenennung der Mohrenstraße gefordert wird, oder in Namibia, wo Politiker von Deutschland Entschädigung für den Völkermord an Herero und Nama verlangen. Wie glaubwürdig sich die Schau über Kolonialismus in der Gemengelage verortet, hängt von der Resonanz in der Afro-Community ab. Ein Pluspunkt: Gastkuratorinnen aus Tansania und Namibia sind beteiligt.Bis 14.5.2017: Deutsches Historisches Museum, Unter den Linden 2, Mitte, Mo–So 10–18 Uhr, 8/ erm. 4 €, bis 18 J. frei,