Kino

Deutschstunde

Jetzt also bringt Christian Schwochow den gewichtigen Literaturbrocken – „Deutschstunde“ von Siegfried Lenz erschien 1969 und gehörte bald zur Schullektüre – auf die große Leinwand.

Max Ludwig Nansen (Tobias Moretti), Siggi Jepsen (Levi Eisenblätter)
Foto: Network Movie/Wild Bunch Germany 2019/Georges Pauly

In der titelgebenden Deutschstunde soll ein junger Strafgefangener nach dem Zweiten Weltkrieg einen Aufsatz über „Die Freuden der Pflicht“ schreiben. Erst nach Wochen hat er das zu Papier gebracht, was zur Nazizeit in seinem Heimatdorf an der Nordseeküste geschehen ist: Er schreibt von seinem Freund, dem Maler Jepsen, dem Siggis Vater, der Dorfpolizist, Malverbot erteilt. Buch und Film erzählen durch die Augen des kleinen Siggi von Pflicht und Kunst, von Freundschaft, Tod und Eigensinn, und vom desertierten Bruder Klaas.

Für die Figur des Malers Jepsen, der sich gegen den Zeitgeist und den deutschen Kadavergehorsam stellt, hatte sich Lenz am berühmten Emil Nolde orientiert, dessen Ansehen aufgrund seiner doch nicht ganz so lupenreinen Verbindung zum Nazitum seither gelitten hat. Doch schon bei Lenz ging es eher exemplarisch um die Geschichte eines Jungen zwischen zwei grundverschiedenen Vaterfiguren, weshalb die Nolde-Diskussion auch in diesem Film nichts zu suchen hat. Trotzdem bleibt bei Schwochow nicht viel mehr als eine solide, allzu brav bebilderte Literaturverfilmung mit aufdringlichen Bildeinfällen (die toten Tiere überall).

D 2019, 125 Min., R: Christian Schwochow, D: Levi Eisenblätter, Tobias Moretti, Ulrich Noethen, Johanna Wokalek, Start: 3.10.

https://www.zitty.de/event/kino/deutschstunde-2019/