PERFORMANCE

Diane for a Day

Sehr gelungene und unterhaltsame Hinterfragung von Körpernormen und Geschlechterrollen

Was macht einen Mann zum Mann? ­Diane Torr hat in ihrer Dragking-Anleitung „Man for a Day“ Alpha-Mann-Gesten zusammengetragen. Was sich saukomisch liest, ist eigentlich ziemlich deprimierend, weil dominante Männer sich mehr Raum, Macht, Freiheit nehmen, als der Gesellschaft gut tut. Von diesem Widerspruch lebt „Diane for a day“, dessen Titel sowohl auf Torr als auch auf die antike Jagdgöttin anspielt.

Vier Thikwa-Performerinnen und vier Frauen vom Künstlerinnenkollektiv hannsjana brettern mit Bart und ­Krawatte saukomische Männlichkeitsstereotypen auf die kleine Bühne, verzerren den Schlagersänger, den Dramaturgen, den Studenten und den Vermarkter von Frauenbier zur Kenntlichkeit. Lacht kaputt, was euch kaputt macht!

Das funktioniert für alle Geschlechter, weil die Miniaturen so genau gearbeitet sind und nah dran sind an Männern, ihren Sprüchen und Gesten, die jede*r kennt. Schön fies ein Rülpsdialog, ­Mereika Schulz’ Schnulzensolo, Sabrina Bremers Männergefühle. Wenn schließlich alle Menschen ohne Behinderung aufs Korn genommen werden, weitet sich der Blick auf Privilegien. Die kleine, feine Utopie zum Schluss schmerzt, weil wir so weit von ihr entfernt sind. Hingehen! GEORG KASCH

6.–9.2., 13.–16.2., 20 Uhr, Thikwa – Studio, Fidicinstr. 40, Kreuzberg, Regie/Konzept: hannsjana; mit Laura Besch, Sabrina Braemer, Alice Escher, Jule Gorke, Jasmin Lutze, Laura Rammo, Mereika Schulz, Katharina Siemann und Marie Weich. Eintritt 14, erm. 8 €

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