Schluss mit lustig?

Die 10 dämlichsten Verbote in Berlin

Unsere Stadt wird mit immer mehr Verboten überzogen. Die aktuellste Idee: Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer von der CDU gedenkt, das allseits geschätzte Wegbier zu verbieten. Ist die große Freiheit jetzt vorbei? Wir wollten es wissen, haben die zehn doofsten Regeln der Stadt gebrochen und geschaut, was passiert

1. Trinken am Fernsehturm

verboten: Trinken am Fernsehturm

Verboten: Trinken am Fernsehturm
Foto: Lena Ganssmann

Regel:

Der Bezirk Mitte hat 2009 den Konsum von Alkohol auf fünf Plätzen untersagt, darunter die Parkanlage westlich des Fernsehturms.

Strafe:

30 Euro

Test:

Sonntag, 11 Uhr. Ich öffne ein Bier. Nirgendwo sind Uniformierte zu sehen. Den Passanten ist meine Grenzüberschreitung herzlich egal.


2. Kiffen im Görlitzer Park

Kiffen im Görli: Never Ever
Kiffen im Görli: Never Ever
Foto: Lena Gannsmann

Regel:

Bis zu 15 Gramm Cannabis können in Berlin als ­Eigenbedarf gelten. Aber nicht im Görlitzer Park, den CDU-Innensenator Frank Henkel im April 2015 zur Null-Toleranz-Zone erklärte. Dort gibt es regelmäßig Razzien und jeder Krümel Gras wird zur Anzeige gebracht. Die Verfahren werden in den allermeisten Fällen von der Staatsanwaltschaft wegen Geringfügigkeit wieder eingestellt. Die Polizeigewerkschaft beschwert sich über die viele unnütze Arbeit.

Strafe:

Besitz von Cannabisprodukten: bis zu fünf Jahre Gefängnis. Der Konsum ist erlaubt.

Test:

Ich gehe in den Park, zur nächstgelegenen Gruppe junger Männer, sage „Hallo, für fünf Euro bitte“, bekomme ein paar Krümel Gras, drehe einen Joint und laufe rauchend einmal von vorne bis hinten durch den Park. Zwei Polizisten gehen an mir vorbei. Entweder bemerken sie den Joint nicht, oder sie wollen ihn einfach nicht sehen.


3. Schwimmen in der Spree

Schwimmen in der Spree
Schwimmen in der Spree ist verboten
Foto: Lena Ganssmann

Regel:

Bei starkem Regen läuft Kot in die Spree. Und das Sulfat, das aus den Tage­bauten im Osten in die Stadt treibt, kann auch zu Brechreiz führen. Das Schwimmen in der Spree ist auch gefährlich, weil Schiffe einen riesigen toten Winkel und Bremsweg haben, wie ein Beamter der Wasserschutzpolizei erklärt. Trotzdem gibt es jeden Sommer einige Menschen, die im Stadtfluss planschen. Eine Initiative will einen Teil des Kupfergrabens am Stadtschloss zum Freibad machen. Dort haben wir den Test gemacht.

Strafe:

Das Baden in der gesamten Spree von Köpenick bis zur Havelmündung ist verboten. 25 Euro kostet die Übertretung.

Test:

Von oben ist der Kupfergraben eine braune Brühe zwischen steilen Mauern. Aber zumindest geruchsneutral. Und die Sichttiefe beträgt bestimmt einen halben Meter. Das Hineinsteigen kostet Überwindung, aber das Wasser erfrischt. Danach bekomme ich weder Ausschlag, noch ist mir schlecht. Ich werde auch nicht von einem Lastkahn überfahren und die Polizei kommt ebenfalls nicht vorbei.


4. Fotos mit Touristen machen

Als Maskottchen vor dem Brandenburger Tor Fotos machen darf man übrigens auch nicht

Als Maskottchen vor dem Brandenburger Tor Fotos machen darf man übrigens auch nicht
Foto: Lena Ganssmann

Regel:

Nachdem sich Anlieger und Passanten beschwert hatten, verbot der Bezirk Mitte Anfang April 2014, sich als Soldat, Comicfigur oder Statue zu verkleiden, am Brandenburger Tor ­Fotos mit Touristen zu machen und dafür eine Spende zu verlangen. Nicht einmal steuerzahlende Darsteller mit Gewerbeschein werden geduldet.

Strafe:

Bis zu 400 Euro

Test:

Super-Mario und Luigi flüchten gerade, die Polizei jagt hinterher. Ich bin weder Comicfigur, Soldat, noch Statue, sondern ein Koala. Trotzdem bin ich froh, dass die beiden Polizisten hinter den Mario Brothers Richtung Unter den Linden verschwinden. Touristen, die mit mir für ein Foto posieren wollen, sind schnell gefunden: erst eine Familie und dann zwei junge Frauen. Um die Regel auch sicher gebrochen zu haben, bitte ich um eine Spende. Dann begebe ich mich mit übernatürlicher Koalageschwindigkeit Richtung Tiergarten, weil ich in der Ferne die Polizisten zurückkommen sehe.


5. Sonntags in den Spätkauf

Spätis dürfen an Sonntagen keinen Alhohol und Tabak verkaufen
Spätis dürfen an Sonntagen keinen Alhohol und Tabak verkaufen
Foto: Lena Ganssmann

Regel:

Laut Berliner Ladenöffnungsgesetz dürfen Spätis, anders als Tankstellen, seit 2010 sonntags nur zwischen acht und 16 Uhr öffnen – und dann nicht mit Alkohol oder Tabak handeln. Es scheint, als würde dies in letzter Zeit gründlicher kontrolliert. Immer öfter sieht man sonntags Spätis, die dunkel und deren Rollos halb heruntergelassen sind – die man aber zum Warenerwerb betreten kann.

Strafe:

150–2.500 Euro (für den Besitzer)

Test:

Der Spätkauf meiner Wahl hat sogar ganz normal geöffnet. Die Frau an der Kasse wirkt vollkommen unschuldig, als sie mir eine Packung Zigarettenpapier verkauft. Keine besonderen Vorkommnisse.


6. Im Bus essen

Essen im Bus und auch Trinken wird mit einem Verweis aus dem Fahrzeug geahndet
Essen im Bus und auch Trinken wird mit einem Verweis aus dem Fahrzeug geahndet
Foto: Lena Ganssmann

Regel:

Offene Speisen oder Getränke und deren Konsum sind in allen öffentlichen Berliner Verkehrsmitteln verboten.

Strafe:

Verweis aus dem Fahrzeug.

Test:

Im Februar berichteten viele Berliner Medien, dass ein Döner-Dabeihaber von der Polizei aus einem Bus entfernt wurde. Als Vegetarier wähle ich Falafel und aus Rücksicht auf die Fahrgäste die Variante ohne Zwiebeln. Der Fahrer sagt beim Einsteigen: „Aber nicht drinnen essen.“ Ich setze mich mit dem Rücken zu ihm und tue es trotzdem. Allerdings habe ich nach zwei Bissen keinen Appetit mehr. Mein Essen ist kalt, ich musste zu lange auf den Bus, den M41, warten.


7. Mit Hund am Schlachtensee

Mit dem Hund am Schlachtensee. Seit Mai 2015 verboten
Mit dem Hund am Schlachtensee. Seit Mai 2015 verboten
Foto: Lena Ganssmann

Regel:

Weil sich Badegäste gestört fühlten, wurden im Mai 2015 Hunde am Schlachtensee und an der Krummen Lanke verboten. Dann nahm das Bezirks­amt das Verbot zurück, jetzt gibt es eine neue Fassung. Die gilt vom 15. April bis zum 15. Oktober. Egal ob mit oder ohne Leine.

Strafe:

Ab 35 Euro

Test:

Thila, dreijährige Labradorhündin, ist offensichtlich eine geborene Rebellin. Mit Eifer tobt sie durch die Verbotszone, rein ins Wasser, raus aus dem Wasser, immer wieder. Auf dem Weg aus dem Sperrgebiet treffen wir zwei Spaziergänger, die durchaus kritisch gegenüber Hunden eingestellt sind. Aber Thila hat sie in wenigen Sekunden um den Finger gewickelt. „Die ist so süß!“, sagen sie.


8. Im Park grillen

Grillen bitte nur auf vorgesehenen Flächen
Grillen bitte nur auf vorgesehenen Flächen
Foto: Lena Ganssmann

Regel:

Grillen ist nur auf dafür vorgesehenen Flächen erlaubt.

Strafe:

Bis zu 100 Euro. Auf dem Tempelhofer Feld bekommt man laut Pressesprecher einfach nur einen Platzverweis.

Test:

Einen Grill habe ich dabei, hier im im Schlesischen Busch in Treptow, glühende Kohle auch, sogar eine Grillgabel. Nur an etwas zum Grillen habe ich nicht gedacht. Naja, egal, das Verbot wird schon trotzdem gelten. Kontrolliert wird dessen Einhaltung zumindest während meiner kurzen Grillaufsicht nicht. Also übergebe ich das Gerät wieder der Groß­familie, die vorhat, an dieser nicht dafür vorgesehenen Stelle ein ganzes Huhn zu zerlegen und zu rösten.


9. Rauchen am S-Bahnhof

Rauchen am S-Bahnhof ist übrigens auch verboten
Rauchen am S-Bahnhof ist übrigens auch verboten
Foto: Lena Ganssmann

Regel:

Rauchen ist in sämtlichen Berliner Bahnhöfen und Verkehrsmitteln seit 2007 verboten. Nur geht man bei der S-Bahn erst seit dem 4. April dagegen vor. Die wenigen Mitarbeiter, die übrig sind, müssen jetzt neben der Überwachung des Zugverkehrs auch Raucher abkassieren.

Strafe:

15 Euro

Test:

Passivrauchen ist schädlich. Es ist nicht fair, Mitmenschen dem auszusetzen. Es ist aber auch nicht fair, dass die Berliner S-Bahn, wenn sie mal wieder nicht fährt, keinen Hinweis gibt, wie lange das ungefähr sein wird. Und so stecke ich eine halbe Stunde auf dem Bahnhof Friedenau fest, und weiß nicht, ob die Bahn nicht doch gleich die Türen schließt. Dank „unregelmäßigen Zugverkehrs“, so die einzige Anzeige, wird so schnell keine andere Bahn kommen. Ich stehe an der frischen Luft, und die Leute um mich rauchen. Ich rauche auch. Niemand kommt, niemand guckt, niemand sagt etwas.


10. Sexuelle Dienstleistungen

Darf man auch nicht: sexuelle Dienstleistungen anbieten. Auch nicht zum Schleuderpreis
Darf man auch nicht: sexuelle Dienstleistungen anbieten. Auch nicht zum Schleuderpreis
Foto: Lena Ganssmann

Regel:

Sexuelle Dienstleistungen darf man in Deutschland nur in dafür ausgewiesenen Zonen anbieten. Die russische Botschaft ist garantiert keine solche, denke ich mir, als ich mich dort mit meinem unmoralischen Angebot postiere. Später werde ich aufgeklärt: In Berlin gibt es keine Sperrgebiete für Prostitution. Also wurde für den Test gar kein Gesetz gebrochen. Spaß hat er trotzdem gemacht.

Strafe:

Platzverweis durch Botschaftsbewacherbeamten.

Test:

Ein Tourist fragt, ob ich auch Kreditkarten akzeptieren würde. Ich muss verneinen. Der Rest guckt doof.