Gastro

Die besten Bars und Restaurants für angehende Wissenschaftler

Das Studienleben ist  bekanntlich zu kurz, um immer nur zu studieren. Und was den kultivierten Rausch angeht, wäre es für Berlin ohnehin ein Leichtes, als Exzellenzinitiative geadelt zu werden. Wir haben fünf  Bars und Restaurants rausgesucht, die nach hier und heute schmecken oder geradezu lustvoll das Gestern feiern. Allzu akademisch ist diese Liste nicht geworden

Velvet

Für Naturwissenschaftler

Velvet Bar in Neukölln
Velvet Bar
Foto: Clemens Niedenthal

Prinzessinnengarten Smash heißt einer der Drinks. Benannt nach dem Ort, an dem Ruben Neideck die Kräuter einsammelt, einen Teil davon in heißem Wasser blanchiert und die übrigen zum Trocknen an die Leine hängt. Die blanchierten Kräuter kommen in die Zentrifuge und werden beim Vierfachen der Erdanziehungskraft ausgewrungen. Oder kulinarisch richtig: geklärt. Was bleibt, ist die pure, intensive Kräuteressenz.

Zugegeben, so eine Zentrifuge an sich ist noch nichts Ungewöhnliches in Berlin – nur steht sie gemeinhin in Apotheken oder in den Chemielaboratorien der Technischen Universität. Das Velvet liefert die flüssige ­Version einer brutal-lokalen und saisonalen, von der ­Nordic Cuisine inspirierten Küche. Sanddorn, Sauerampfer oder der lange als Unkraut diskreditierte Giersch kommen in die Drinks, im Winter übrigens auch mal fermentiert oder anderweitig haltbar gemacht. Dass das Velvet dabei ein lässiger Laden ohne Allüren bleibt, liegt auch an der Lage: mittendrin im noch immer roughen Neukölln.

Velvet
Ganghofer Str. 1, Neukölln,
Mi–So ab 20 Uhr, www.velvet-bar-berlin.de


Kumpel & Keule Speisewirtschaft

Für Studienabbbrecher

Grau ist alle Theorie. Handwerk aber hatte einmal ­goldenen Boden. Auch deshalb sind Food-Aktivist Hendrik Haase und Metzgermeister Jörg Förstera vor zwei Jahren angetreten, um mit ihrer Metzgerei Kumpel & Keule das ehrbare Handwerk zu retten. Seit diesem Jahr hat Kumpel & Keule, mitten im Kreuzberger Ausgehkiez, eine eigene Speisewirtschft. Dort gibt es handwerkliche ­Leberwurststullen, trocken gereifte Stücke von alten, freilebenden Rindern oder auch den besten Burger der Stadt. Und es gibt ein süffiges Bier, das der ­Kreuzberger Craft-Beer-Brauer Johannes Heidenpeter ­eigens für ­dieses fleischeslustige Lokal gebraut hat.

Kumpel und Keule
Kumpel und Keule
Foto: promo

Die Preise sind einer handwerklichen Handwerkerkneipe angemessen fair kalkuliert. Die sehr sättigende Ochsenbacke mit Selleriepüree und Rosenkohl steht mit 16 Euro auf der Karte. Wie auf allen Tellern ist der Charakter des Fleisches wunderbar herausgearbeitet, ohne auch nur für ­einen Bissen auf eine machohaft inszenierte Fleischkultur hereinzufallen. Kein Messerwetzen, keine Muskelspiele. Und danach ein ehrlicher Korn.

Kumpel & Keule Speisewirtschaft
Skalitzer Str. 97, Kreuzberg, Di–Sa 16–22 Uhr,
www.kumpelundkeule.de/speisewirtschaft


La Lucha

Für Erasmusstudenten

Foto: La Lucha

Bevor Max Paarlberg sein Auslandssemester in Guadelajara antrat, hatte der Niederländer mit der gastro-kuli­narischen Kinderstube ein so simples wie gängiges Bild der mexikanischen Küche: Egal, was man isst, es kommt immer mit viel Käse überbacken aus dem Ofen. Und das bevorzugt in Großraumkinos. Heute, zehn Jahre ­später, tut Paarlberg das seine, um das Mexikanische von diesem üblen Leumund zu befreien. Im La Lucha bietet er mexikanische Küche für Fortgeschrittene. Das fängt bei den 125 Agaven-Destillaten an, die man in thematischen Flights ordern kann, wie die kenntnisreich kuratierten Mezcal-Exkursionen (drei Shots ab 6,90 Euro) im Gastro-Neudeutsch heißen. Und das geht auf den Tellern weiter, auf denen manche Überraschungen liegen.

Viel Vegetarisches und Veganes findet man, zum Beispiel das Escabeche mit Blumenkohl, Karotte, Rote Bete und Hibiskusblüte (6,90 Euro). Des Weiteren gibt es Ceviche, Burritos – und sehr viele, sehr gut Biere, ob von mexikanischen Traditionsbrauereien oder jungen Berliner Bier-Startups. Für Jens Spahn, um diesen Witz doch noch zu machen, wäre das La Lucha nichts, dieser Laden ist im besten Sinne jung, polyglott und kosmopolitisch.

La Lucha
Paul-Lincke-Ufer 39, Kreuzberg, Mi–So ab 18 Uhr,
www.laluchaberlin.de


Beuster Bar

Für Netzwerker

Beuster Bar in Neukölln
Beuster Bar
Foto: Gerorge Baroud

Die Beuster Bar versteht sich in der Kunst, kulinarisch durchaus nachhaltige Ambitionen in einen lässigen Kneipenabend zu kleiden. So mag man das seit jeher in Berlin: Es geht ums Ausgehen, um Sehen und Gesehenwerden – nebenbei darf es dann ruhig auch noch gut ­schmecken. Und, ja, es schmeckt im Beuster: Wiener Schnitzel, ein röstaromatisch angebratenes Tartar, Muscheln mit Fritten, Zwiebelsuppe. Das liest sich wie die Karte einer französischen Brasserie und schmeckt auch genau so. Was vielleicht auch die eigentliche Funktion des vor rund drei Jahren im damals noch recht unbehausten Weser­straßenkiez eröffneten Beuster auf den Punkt bringt.

Dieser Laden ist das Borchardt oder auch das Grill ­Royal der Millenials, ein Gesellschaftslokal 4.0. Wie es sich für ein Gesellschaftslokal gehört, ist dieses Restaurant eben auch eine (recht gute) Bar, zur fortgeschrittenen Stunde sogar ausschließlich. Wie es sich erst recht für ein Gesellschaftslokal gehört, hat das Beuster eigentlich immer ­geöffnet, jeden Tag und jeden Tag recht lange. In guter Gesellschaft ist man dabei auch, die drei Beuster-­Gründer sind noch immer in ihren (späten) Zwanzigern.

Beuster Bar
Weserstr. 32, Neukölln, Mo–So ab 18 Uhr,
www.beusterbar.com


Pratergarten

Für Langzeitstudenten

1837 im damals prosperierenden Prenzlauer Berg eröffnet, gilt der Pratergarten heute als der älteste Biergarten der Stadt. Hier treffen sich Anwohner, Geschäftsleute, Studenten und internationale Szenetouristen mitten in der Stadt unter alten Kastanienbäumen. Ist das Wetter schlechter oder ist generell gerade Winter, speist es sich in der Pratergastsätte ähnlich geschichtstrunken und rustikal. Der Craft-Beer-Hype ist am Prater (beinahe) unerhört vorübergezogen, das sehr süfftige Bier wird ­in Frankfurt/Oder eigens für das Traditionslokal gebraut. Londrinks gäbe es auch, aber die sind eher etwas für den Rausch als für die coole, nuancierte Distinkion.

Pratergarten
im Pratergarten
Foto: Berliner Prater Garten GmbH

Kurz gesagt: Der Pratergarten ist weder ein Ort für entdeckungshungrige Nerds noch für die ­Hauptstadtschicke­ria. Nostalgie und Normcore wären vermutlich die ­beiden Worte, die diesen je nach Saison und tagesaktueller Verfasstheit mal lauschigen, mal lauten Ort am besten beschreiben. Königsberger Klopse, besonders diese Königs­berger Klopse, gehören zum Lehrplan jedes Proseminars zur Berliner Küche. Und die Buletten im Prater sind sogar vegan. Dit is Berlin. Samt „Jurkensalat“.

Pratergarten/Pratergaststätte
Kastanienallee 7–9, Prenzlauer Berg
Mo–Sa ab 18 Uhr, So ab 12 Uhr,
www.pratergarten.de