Berlin

Die besten Open Air Festivals 2108

Wir können Ihnen ja viel erzählen. Darüber, auf welchem Festival man die schönsten Sommer­tage verleben kann. Über tolle Line-Ups und spannende Workshops. Aber hören wir doch lieber jenen zu, die es wissen müssen: den Party-Profis, Rave-Experten und Indie-­Auskennern. Pünktlich zum Start der Open-Air-Saison verraten Ihnen 16 Festivalbesucher, wo der Bass am fettesten, das Gras am grünsten und die Stimmung am besten ist, kurz: Was ihr liebstes Festival so magisch macht

Jägermeister mit Seeblick

Helene Beach

Drei Sommer lang durfte ich schon den Duftcocktail aus Helenesee-Brise, Jägermeister und Tanzschweiß genießen. Das „Helene Beach“ ist in jedem Fall ein besonderes Festival: Hier steht das tätowierte Mädchen mit Federschmuck und wehendem Haar direkt neben dem Bierkönig mit Neon-Hulakette – und beide prosten sich zu, wenn der Bass an den riesigen Boxentürmen der Mainstage voll einsetzt. Ein echter Melting Pot!

Helene Beach Festival
Helene Beach Festival
Foto: Helene Beach Festival

Es gibt sie hier immer wieder, diese magischen Festivalmomente: Wenn ein wildfremder Mensch dir mit breitem Grinsen zujubelt; wenn du nachts vom festival-eigenen Riesenrad auf die glitzernde Menge schaust oder deine Füße in den kalten Helenesee tauchst und bei einem Radler mit Freunden die letzte Nacht rekapitulierst. Auch auf dem Zeltplatz unter Kiefernwipfeln ist die Stimmung meist ausgelassen: Wenn das Festivalgelände noch geschlossen ist, kann man hier eine Runde drehen. Das „Helene Beach“ bietet für (fast) jeden Musikgeschmack etwas. Nur eines stört: der Müll nach Festivalende. Dafür können die Veranstalter nichts, man muss wohl auf einen Bewusstseinswandel der Besucher warten – damit es hier nach dem Festival noch so schön ist wie währenddessen. Leonie Lockau

26.–29.7., Electro/Pop/Hiphop, Ticket 108,90 € + Buchungsgebühr 0,80 €, helene-beach-festival.de, 15236 Frankfurt (Oder)


Unter der „Komplimente-Dusche“

Landflucht

„Landflucht“ heißt ja eigentlich: Weg vom Dorf – rein in die Stadt. Aber das „Landflucht“-Festival hat mich als Berliner eines Besseren belehrt, denn so ein cooles Festival habe ich noch in keiner Stadt erlebt.

Schon bei der Ankunft entspannt man sich, was vielleicht daran liegt, dass die übliche Strahlung von Mobilfunk und WLAN fehlt – vielleicht aber auch an der superfreundlichen Parkplatz- und Camping-Crew, die mich wie die Hausdame eines Hotels mit den Gegebenheiten des Festivals vertraut gemacht hat. Auch das Shuttle zurück in die Stadt konnte man beim Empfangskomitee klarmachen. Der Fußweg vom Zeltplatz zum Einlass dauert keine zwei Minuten. Das Gelände selbst ist übersichtlich, aber trotzdem weitläufig, und bietet alles, was man auch von den „Großen“ gewohnt ist: Musik von Punk bis Techno, Yoga, Workshops, ein Kino und echt geiles Essen. Besonders toll fand ich die „Komplimente-Dusche“: ein kleiner Holzaufbau zum Reinsetzen, in dem sich jeweils drei bis vier Leute mit Komplimenten beschallen lassen konnten, die während des Festivals von den Besuchern auf Band gesprochen wurden. Echt witzig und wohltuend – so wie das ganze „Landflucht“-Festival. Christian Cabun

31.8.–2.9., Punk/Electro/Experimentell, Ticket 40 €, landflucht-festival.de, 03130 Spremberg


Wo die wilden Punker planschen

Resist to Exist

Das „Resist to Exist“ gleicht jedes Jahr einem eiskalten Schluck Bier an einem brüllend heißen Sommertag. Denn dort vereinen sich drei Dinge: die Vorfreude, die sich in den Wartemonaten stetig steigert. Dann die Erfüllung: Zufriedenheit und Genuss – denn das Festival ist wirklich top organisiert. Und zuletzt die leichte Wehmut, wenn es schon wieder vorbei ist und die Zelte zusammengepackt werden. Was das „Resist to Exist“ ausmacht, ist zwar auch die Musik; aber das Beste ist, dass ein tolles Team das Festival mit viel Herzblut in schöner DIY-Tradition aufzieht. Diese freundschaftliche Atmosphäre wirkt sich auch auf die Gäste aus.

Ich erinnere mich gern an einen Freund, der 500 Kilometer im Laderaum eines Lieferwagens (im Dunkeln!) mitgefahren ist, um seinen besten Kumpel auf dem Festival zu überraschen. An eine Horde Punker, die sich genüsslich von einem Wasserwerfer den Dreck wegpusten ließ. An eine Crew, die einen brennenden Gaskocher samt Vorzelt in Windeseile löschen konnte. An das allerbeste Lángos, das ich je gegessen habe. An die vielen tollen Bands. Aber eben auch: an Securitys und Thekenkräfte, die den Live-Sound genauso abfeiern wie man selbst. Man freut sich jedes Jahr auf das nächste „Resist to Exist“ – und auf das erste kalte Bier. Tatjana Pöschke

3.–5.8., Punk/Hardcore, Ticket 55 €, resisttoexist.de16766 Kremmen


Ein Floor, der immer pumpt

Zurück zu den Wurzeln

Am „Zurück zu den Wurzeln“ mag ich so gerne, dass es so familiär ist. Das Musikprogramm ist zwar wahnsinnig divers – es gibt vermutlich beinahe jede Spielart elektronischer Musik, so kann man sicher sein, dass für jeden etwas dabei ist, wenn man mit einer größeren Gruppe fährt –, aber ich habe meinen Lieblingsfloor sehr schnell gefunden. Es ist der Märchenwald, dort wird Deephouse und Techhouse gespielt. Und obwohl der Floor so klein ist – mit 300 Leuten ist er rappelvoll – funktioniert er zu jeder Tages- und Nachtzeit. Wann immer man hinkommt: Es wird getanzt. Aufzustehen und direkt einen Floor zu finden, der richtig pumpt, das ist eigentlich eine Qualität, die ich eher von größeren Festen kenne, die ich deshalb auch wertschätze.

Zurück zu den Wurzeln
Zurück zu den Wurzeln
Foto: Wurzelfestival

Aber hier fehlen die typischen negativen Begleiterscheinungen: Menschenmassen, Anonymität, gefällige Musik. Hier wird dauergeravet – und das ganz familiär. Nach drei Tagen auf dem Floor kannte ich die meisten, die dort tanzten, wenn ich mit meinem Kaffee kam. Und das waren teils ganz besondere Menschen – der inklusive Anspruch, den das Festival als einziges in Deutschland hat, tut der Publikums-Zusammensetzung äußerst gut.  Regina Ryll

7.–10.6., Psytrance/Techno/House, Ticket 120 € + Gebühr 6,39 €, wurzelfestival.de, 14913 Niedergörsdorf


Den Alltag vergessen

Wilde Möhre

Als ich vor fünf Jahren das Ticket zur ersten Möhre von Freunden zum Geburtstag geschenkt bekam, war ich voller Vorfreude und empfand es als das perfekte Geschenk. Mittlerweile ist die „Wilde Möhre“ für mich ein fester Bestandteil des Sommers und ein alljährliches Wiedersehen mit dort kennengelernten Freunden. Dieses Jahr feiere ich dort mit einigen Freunden unseren fünften Jahrestag! Obwohl es jedes Jahr etwas gibt, wovon ich nicht so ganz überzeugt bin, fühlt es sich trotzdem immer wie nach Hause kommen an. Das große, bunte und wirklich liebevoll gestaltete Festivalgelände sowie die großartigen DJs lassen einen die Zeit und den Alltag vergessen und sind genau das richtige Umfeld, um mit alten und neuen Freunden ein wunderschönes Festival-Wochenende zu verbringen.

Wilde Möhre
Wilde Möhre
Deniz Binay/Wilde Moehre

Ich bin schon gespannt, was sich die fleißigen Möhrchen-Mitarbeiter dieses Mal alles ausdenken und was wir dieses Jahr erleben werden! Eines aber ist gewiss: Das fünfte Jubiläum wird ein wunderschönes Erlebnis sein! Auf die fünfte Möhre!  Caro Anders

9.–13.8., Techno/House/Hip-Hop, Ticket 118,99 € + 10 € Müllpfand, wildemoehrefestival.de, 03116 Drebkau


Wind in den Haaren, Salz auf der Haut

Tag am Meer

Ein „Tag am Meer“ auf der wunderschönen Insel Rügen kann so aussehen: Kurz nach Ankunft spürt man sofort die Meeresfrische und das Salz in der Luft, was sich positiv auf Körper und Geist auswirkt. Gegen 11 Uhr hört man schließlich – neben dem Meeresrauschen – die ersten Klänge, die den Takt für den Tag vorgeben. Der erste, leicht verträumt wirkende Floor des „Tag am Meer“-Festivals versteckt sich in einem Wäldchen hinter dem Gelände, wo man tanzen oder Speisen und Getränke bekommen kann.

Von dort erreicht man den Strand. Da befindet sich der zweite Floor mit der Hauptbühne, der mit Sonnensegel und Leuchtturm wundervoll gestaltet ist. Das Besondere: Während man sich von der Musik treiben lässt, spürt man den Sand zwischen seinen Zehen und den Wind im Haar. Abseits des Konsumwahnsinns der Mega-Festivals zeigen die Macher des „Tag am Meer“, wie ein kleines, aber feines Festival mit einem überzeugenden Line-Up aussehen kann. Ein fester Termin in meinem Festivalkalender!  Marcel Bürger

14.7., Electro/Dub/Reggae, Ticket 24 € + Gebühr 2,19 €,  tagammeer-festival.de, 18609 Ostseebad Binz/OT Prora


Klimpernd den Morgen begrüßen

Mit dir

Das „Mit dir“ unweit von Berlin ist ein kleines, von elektronischer Musik geprägtes Festival. Egal, ob man mit Freunden oder ohne anreist, lange bleibt man garantiert nicht allein. Die familiäre Atmosphäre ist überall zu spüren. Weil in den letzten Jahren um die 1.500 Besucher unterwegs waren, wird vor allem jenen etwas geboten, die es zu schätzen wissen, beim Tanzen nicht die ganze Zeit angerempelt zu werden. Das Gelände, umgeben von Wald und einem wunderschönen See, ist ein Traum – nicht zu groß und nicht zu klein. Am meisten hat mich beeindruckt, dass jedes Dekostück selbst gebaut zu sein scheint. Die liebevoll gestalteten Bühnenbilder und Lichtinstallationen hypnotisieren einen regelrecht auf der Tanzfläche, das ausgefuchste Line-Up und die satten Anlagen erledigen dann den Rest.

Wenn die Füße nach durchtanzten Stunden wehtun, gibt es Betten, Hängematten und sogar ein Kino, um sich zu entspannen. Ich werde noch lange daran denken, wie ich nach einer langen Nacht den Sonnenaufgang begrüßen konnte, während ich auf einem im See schwimmenden Klavier herumklimperte. Josephine Repschläger

26.–30.7., Techno/House, Ticket 89 € + Gebühr 6,53 €, mit-dir-festival.de, 15848 Friedland


Basar für Blumenkinder

Malzwiese

Malzwiese
Malzwiese
Foto: © Nils Krüger / www.offenblen.de

Für mich ist die „Malzwiese“ ein Höhepunkt des Sommers. Von der Bandauswahl über das Programm bis hin zum Ort stimmt bei diesem Festival alles. Ich liebe es, über den Basar zu spazieren, Produkte und Initiativen zu entdecken, mir dann Proviant auf der Street-Food-Strecke zu holen, mich auf die Wiese zu legen und der Musik zu lauschen. Ein schönes Wochenendprogramm mitten in Berlin, was will man mehr? Ines Kahmann

2.–3.6., Indie/Pop, Ein-Tages-Ticket 18/erm. 15 €, Zwei-Tage-Ticket 30/erm. 25 €, malzwiese.deMalzfabrik, Bessemerstr. 2–14, Schöneberg


Party im Bauernhaus

UckerAlm

Beim „UckerAlm“ merkt man sofort, wie viel Mühe sich die Veranstalter geben: Das Gelände ist mit viel Liebe geschmückt, sieht sehr verspielt und einladend aus. Überall gibt es Ecken, um sich zu verdrücken, man kann in Bäume klettern und um das Bauernhaus in der Mitte des Geländes schlendern. Das gesamte Wochenende über kann man gutes Essen und bezahlbare Getränke kaufen, auch das Line-up ist super. Weil das Festival ziemlich klein ist, kommt sofort ein Crew-Gefühl auf.

An der einen oder anderen Stelle merkt man allerdings, dass das „UckerAlm“ noch in den Kinderschuhen steckt. Einen Shuttle-Bus zum Gelände gab es letztes Jahr leider nicht rund um die Uhr, von Sonntag zu Montag mussten wir die drei bis vier Kilometer laufen. Heile angekommen sind wir trotzdem. Außerdem hat die Bar-Besetzung nicht so recht zum Festival gepasst, und nachts konnte man nur im Schuppen tanzen, obwohl wir so gern unter freiem Himmel gefeiert hätten. Trotzdem – oder gerade weil nicht alles perfekt war – hatten wir ein wundervolles Wochenende. Allein die Landschaft in der Uckermark ist ein Traum! Ich werde dieses Jahr bestimmt wieder da sein.   Sarah Steinbrecher

3.–5.8., Techno/Live-Musik, Ticket 79 € + Gebühr 5,26 € uckeralm.de, 17291 Prenzlau


Eine Stadt verwandelt sich

Alinæ Lumr

Mein allerliebstes Herzensfestival ist das „Alinæ Lumr“ in Storkow. Keine betrunkene Feierei mit Gegröle und Aggressivität, sondern ein entspannter und freundlicher Ort der Begegnung. Das Booking ist jedes Mal großartig, ein toller Mix aus Lieblingsbands und Neuentdeckungen. So lernte ich Gruppen wie AG Form, Heimer oder Coals kennen und schwelgte mit The Notwist, Tele und Fenster in Erinnerungen.

Alinæ Lumr
Foto:

Auch die Location ist etwas Besonderes: Die verschiedenen Spielorte befinden sich mitten in Storkow. Man ist nicht auf irgendeiner Kuhweide vor den Toren der Stadt, um ja niemanden zu stören; stattdessen feiert man an Orten mit Geschichte und Eigenheiten. Die nutzt das Festival, hebt sie hervor und verwandelt sie. Überall trifft man Menschen aus Storkow, die einfach mal gucken wollen, was so los ist. Keine „Die Jugend von heute!“-Sprüche bekommt man da, sondern ein Lächeln, Offenheit und Neugierde. Außerdem befindet sich ganz in der Nähe der Storkower See, einer der schönsten Festivalseen, die ich je besucht habe. Lina Zuppke

17.–19.8, Indie/Pop/Hip-Hop, Ticket 65 € + Gebühr 2,95 € alinaelumr.de, 15859 Storkow (Mark)


Regengüsse aus dem Feuerwehrschlauch

Nation of Gondwana

Seit mehr als zwei Jahrzehnten gibt es die „Nation of Gondwana“ nahe des kleinen Örtchens Grünefeld nun schon. An einem lauschigen See, der Abkühlung vom schweißtreibenden Festival-Leben verspricht, und umgeben von Wäldern, tanzt man fernab der Realität barfuß im Sand. Die Grünefelder unterstützen das Treiben mit selbstgebackenen Kuchen, warmen Mahlzeiten und Regengüssen aus dem Feuerwehrschlauch.

Nation of Gondwana
Nation of Gondwana
Foto: spiritzone / Ringo / www.flickr.com/photos/31387206@N07

Aber das Highlight ist und bleibt der Grünefelder Frauenchor! Seit mehreren Jahren bietet er den perfekten Einstieg ins Wochenende – und wir verdrücken bei seinem Auftritt gern mal eine kleine Träne. Wer im letzten Jahr nicht nur tanzen wollte, der hatte eine Beschäftigung: die „Nation Mission“. Die kniffeligen Aufgaben dieses Spiels hatten es in sich. Anfangs dachten wir noch, mit einer Polonaise über den Dancefloor sei es getan … Als Belohnung winkten dem Siegerteam zwei Tickets für 2018. Wir holten uns den Sieg. Aber nicht nur deswegen sind wir dieses Jahr wieder dabei, denn zur Nation zur fahren, fühlt sich an, wie nach Hause zu kommen. Zu seiner großen Rave-Familie. Susanne Weber und Angela Grünhage

20.–22.7., Techno/House, Ticket 113 € + Buchungsgebühr 0,80 €, pyonen.de/nog2018/, 14621 Schönewalde-Glien


Zwischen Sandburgen

Draußen ist’s schöner

Als ich letztes Jahr hörte, dass das „Draußen ist’s schöner“-Open-Air im FEZ stattfinden wird, habe ich mich echt gefreut: Wie cool ist es denn bitte, an jenem Ort, an dem man als Kind Sandburgen gebaut hat, zu elektronischen Klängen den Frust der Woche wegzutanzen? Man sitzt am Strand, erinnert sich an Ereignisse und Menschen von damals, und tatsächlich trifft man viele Freunde wieder, die man schon lange nicht gesehen hat. Toll finde ich, dass auch viele Familien mit ihren Kindern dort waren – so entsteht ein wunderbar gemischtes Publikum. Zunächst war ich nur mit meiner Freundin dort, aber nach einer Stunde waren wir schon eine Runde von etwa 15 Leuten – und wirklich alle verband irgendeine Erinnerung mit der Location.

Nach zwei Stunden packte mich dann doch der Bass, schließlich spielten die Resident-DJs vom „Draußen ist’s schöner“, Daniel Schumann und Pascale Voltaire. Drei Getränke später bin ich – pünktlich zum Sonnenuntergang – auf den Mainfloor direkt am Strand weitergezogen, der genauso aussah, wie man sich eine Bühne namens „Villa Kunterbunt“ vorstellt. Einfach geil! Ich zog meine Schuhe aus und tanzte zum Set von Victor Ruiz in den Abend. Es war perfekt. Fritz Lommatzsch

26.8./23.9., Techno/House, Ticket VVK 6 €, Abendkasse 10 €, facebook.com/pg/draussenistsschoenerFEZ Wuhlheide, 12459 Berlin


Der perfekte Strandmoment

Plötzlich am Meer

Meine Augen sind geschlossen, die Meeresluft dringt in meine Lungen. Tief ein- und ausatmen. Die Sonne geht gerade auf, ihre Strahlen wärmen mein Gesicht. Unter meinen Füßen fühlt sich der Sand ganz weich an. Nach der durchtanzten Nacht wirkt er fast wie eine Massage. Diese Szene verbinde ich mit dem „Plötzlich am Meer“: das wunderbar freie Gefühl einer Sommerreise. Morgens am Strand stehen, die Musik aus der „Tentakel Bar“ im Ohr – das ist ein ganz besonderer Moment. Auch in Berliner Clubs gehe ich gern feiern und tauche in eine andere Welt ein, aber beim „Plötzlich“ ist es die Nähe zum Meer und die damit verbundene Freiheit, die mich jedes Jahr wieder an die polnische Ostseeküste pilgern lässt.

Vor zwei Jahren habe ich als Helferin beim Aufbau mitgewirkt und war positiv überrascht vom familiären Umgang innerhalb der Crew. Dieser Spirit überträgt sich auf das gesamte Festival: Trotz der Größe herrscht eine sehr vertraute Atmosphäre. Das Booking, weit entfernt von Mainstream-Trends, ist für mich ein weiterer Grund, aufs „Plötzlich“ zu fahren. Ich entdecke jedes Jahr neue Künstler und bin schon jetzt gespannt, was mich im August erwarten wird. Dann werde ich mich morgens wieder an den Strand stellen und tief ein- und ausatmen: mein ganz eigener, ganz perfekter Augenblick. Laura Holtermann

24.-26.8., Techno/House, Ticket 110 € + Gebühr 3,30 € ploetzlich.net, Kolobrzeg, Polen


Grooven auf dem Acker

Oewerall

Eine Autostunde von Berlin entfernt, fast an der Grenze zu Polen, liegt das wunderschöne Dörfchen Grünz in der Uckermark. Bei unserer Ankunft haben wir uns direkt in die Kopfsteinpflasterstraßen und die alten Häuser verliebt. Und da waren wir noch gar nicht auf dem Festivalgelände! Das liegt auf einem Acker am Dorfsee. Es ist voller Liebe gestaltet und die Floors sind so unterschiedlich, dass man für jeden Gemütszustand das Richtige findet. Bei Festivals geht es ja primär um die Musik – und die ist auf dem „Oewerall“ besonders für Liebhaber des langsamen 4/4-Takts erste Sahne.

Oeweall
Oeweall
Foto: Niklas Wolter, Hamburg

Aber dazu muss ich wohl nicht viel sagen, wenn man sich das Line-up mit Namen wie Martha van Straaten, Robag Wruhme und GYRL anschaut! Trotz der großen Namen habe ich mein Herz auf dem kleinsten Floor, bei dem „Hoodo-Mobil“, einem alten Feuerwehrwagen, verloren. Egal, ob wir den kleinen Floor zu zweit oder mit vielen erobert haben – die Bochumer Boys haben uns die Mucke gegeben, die wir brauchten. Kurz gesagt: Ich bin verknallt ins „Oewerall“. Marlin Helene

17.–19.8., House/Techno, Ticket 99,95 € (inkl. 5 € Müllpfand), oewerall-festival.de, 17328 Grünz


Nicht ohne „Wonderwall“ ins Bett

Immergut

Vorbote des Sommers. Beginn von allem, was schön ist, Leichtfüßigkeit und schwereloses Glück verspricht: Das bedeutet das „Immergut“ für mich. Seit ich vor vier Jahren zum ersten Mal dort war, gehört dieses kleine Festival fest zu meinem Jahresplan. Damals hatten eine Freundin und ich einen akuten Element-of-Crime-Ohrwurm, als wir durch die Straßen zogen und kurzerhand entschieden, noch spontan „Immergut“-Tickets zu ergattern. Gleich am Bahnhof waren wir gerührt vom Zusammenhalt der Festivalgänger, die in ihren Autos zusammenrückten oder gemeinsam auf den historischen Bummelzug warteten. Stinknormale Menschen ohne Laufsteg- und Coachella-Allüren kommen nach Neustrelitz. Weil die drei Bühnen nie zur gleichen Zeit beschallt werden, erübrigt sich der Druck, sich entscheiden zu müssen.

auf dem Immergut-Festival
Immergut-Festival
Foto: Niklas Wolter

Die Künstler scheinen sich ähnlich wohl zu fühlen wie die Besucher und lassen sich schon mal zum gemeinsamen Hüpfen in der Zeltbühne blicken. Nachts, wenn der Birkenhain zum Electrofloor geworden ist, kann man sich mit neuen oder alten Freunden warmtanzen, bis die Sonne hinter den umliegenden Wäldern aufgeht. Dann schnell noch in die Zeltbühne zur Indie-Disko, denn ohne „Wonderwall“ darf keiner ins Bett, beziehungsweise ins Zelt klettern! Yana Duckwitz

25.–26.5., Indie, Ticket 73 € (inkl. Gebühr 3 € und Müllpfand 5 €), immergutrocken.de, 17235 Neustrelitz


Talk mit dem Bürgermeister

Jenseits von Millionen

Nachdem ich schon in den Jahren zuvor bei der Aftershow-Party des „Jenseits von Millionen“ aufgelegt hatte, durfte ich ab 2013 die Anmoderation der Bands auf dem Festival übernehmen. Am Anfang kam es vor, dass ich vor lauter Aufregung schon mal den Namen der nächsten Band vergaß und das Publikum fragen musste. Die Nervosität hat sich mittlerweile gelegt – ich mache das nun jedes Jahr. Bis heute denke ich an viele schöne Musikmomente zurück, etwa daran, wie Tobias Siebert aka And The Golden Choir zu jedem Song ein Glas Rotwein trank. Wohingegen Sir Simon Battle von der Resonanz bei seinen Auftritten so ergriffen war, dass er seine Platten am Merch-Stand verschenkte.

Jenseits von Millionen
Jenseits von Millionen
Foto: Nina Sartorius JvM17

Das „Jenseits von Millionen“ ist aber nicht nur ein sehr liebevoll gestaltetes, sondern auch ein überaus friedliches Festival. Ich erinnere mich an einen jungen Mann, der noch gar nicht bemerkt hatte, sein Portemonnaie samt Ausweis verloren zu haben – bis jemand vor ihm stand und sagte: Guck mal, ich hab da was gefunden. Übrigens, der größte Musik-Nerd des Festivals ist der unscheinbar wirkende Bürgermeister von Friedland – ein ganz schlauer Fuchs, der sich von jedem Künstler eine signierte CD geben lässt und mit dem man sich wunderbar über Musik unterhalten kann. Frank Fichna

3.–4.8., Indie, Ticket 38 € (inkl. 2 € Direktspende) jenseitsvonmillionen.de, 15848 Friedland (Niederlausitz)