Tragikomödie

Die Blumen von gestern

Enkel trifft auf Enkelin

Die Blumen von gestern

Die Blumen von gesternybr>Foto: Edith Held Four Minutes Filmproduktion

Totila „Toto“ Blumen (Lars Eidinger) ist Holocaustforscher und soll einen Kongress in Baden-Württemberg vorbereiten. Doch die Tendenz seines Vorgesetzten Balthazar (Jan Josef Liefers), die Sache zu kommerzialisieren, widert Toto an. Zudem bekommt er mit Zazie (Adèle Haenel) eine Praktikantin zugewiesen, die ihm nicht mehr von der Seite weicht. Gemeinsam reisen Toto und Zazie zu der Shoah-Überlebenden Tara Rubinstein (Sigrid Marquardt); der Weg führt die beiden weiter über Wien bis nach Riga. Zazie hat dabei ihre ganz eigene Agenda.

Humor und Holocaust – der sofortige Reflex: Geht gar nicht. Doch Autor und Regisseur Chris Kraus („Vier Minuten“, „Poll“) ist Lichtjahre davon entfernt, sich über das Leiden der Opfer und deren Nachkommen lustig zu machen. Stattdessen stellt er kluge Fragen nach der Automatisierung des Gedenkens. Wie sollen die Enkel der Opfer und die Enkel der Täter mit dem jeweiligen Vermächtnis umgehen? Kraus findet keine einfachen Antworten, sondern führt uns in seinem inhaltlich, inszenatorisch und emotional virtuosen Film zwei Figuren vor, die die Vergangenheit so sehr in sich tragen, dass die Gegenwart kaum noch zu meistern ist. Doch dies nicht als bleiernes Drama, sondern als Tragikomödie mit blitzenden Dialogen, schriller Situationskomik und zwei überaus vitalen Hauptdarstellern.

D/A 2016, 120 Min., R: Chris Kraus, D: Lars Eidinger, Adèle Haenel, Jan Josef Liefers

Die Blumen von gestern

Kommentiere diesen beitrag