Kino

Die brillante Mademoiselle Neïla

Professor Pierre Mazard (Daniel Auteuil), da gibt es nichts zu deuteln, ist ein Arschloch. Ein nicht bloß latenter ­Rassist, ein sarkastischer Misanthrop, der mit Verve andere bloßstellt oder an den Zuständen der Welt im allgemeinen ­herumnörgelt. Als Dozent an der juristischen Hochschule Assas Law School in Paris weiß sich Mazard zudem eloquent auszudrücken. Die junge Studentin Neïla Salah (Camélia ­Jordana) ­bekommt Mazards Fiesheiten gleich in der ersten Vorlesungs-Stunde frontal zu spüren. Doch da er seine Angriffe wieder mal mit kleinen rassistischen Schlenkern versehen hat, wird er von der Hochschulleitung nun selbst angezählt. Mazards letzte Chance: Wenn es ihm gelingt, Neïla für den anstehenden Rhetorik-Wettbewerb zu coachen, behält er seinen Job. Ausgerechnet diese arabischstämmige Frau mit Wohnsitz im Banlieue.

Foto: Square One Universum

Neïla wiederum ist überrascht, diesen Typen als Gönner zu erleben und lässt sich auf dessen Nachhilfestunden in ­Sachen Rhetorik ein. Die sind hart, auch weil Mazard Herausforderungen wie das laute Lamentieren in der Metro verlangt.

Genregemäß ist es wenig überraschend, dass es Neïla beim Rhetorik-Wettbewerb weit bringen wird, so ist das nun mal bei dieser Art von Filmen. Aber es macht sehr viel Spaß, der höchst lebendigen, in Frankreich auch als Musikerin ­bekannten Camélia Jordana bei ihrer Einführung in die ­Waffen der Sprache zuzusehen; zudem hat das Drehbuch eine nicht allzu große und damit glaubwürdige Charakterverbesserungung bei Mazard vorgesehen. Und natürlich ist der Film auch eine Verbeugung vor der (französischen) Sprache, die ja bei unserem westlichen Nachbarn einen ganz besonderen Stellenwert genießt und durch die Académie française gehütet wird. 

„Le Brio“, F 2017, 97 Min., R: Yvan Attal, D: Daniel Auteuil, Camélia Jordana, Yasin Houicha, Nicolas Vaude, Start: 14.6.

Die brillante Mademoiselle Neila